Forum
/ OWL-Archiv
Auch für Beiträge, die uns
per E-Mail erreichen
Übersicht:
2002
August
2002
-
i
Juli 2002
- Lippe
aktuell, 31.07.2002:
-
-
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i
-
i
Juni 2002
-
i
-
Antifaschistischer
Arbeitskreis Detmold, AG Fossoli,
10.06.2002
Die
Rekrutierungsmöglichkeiten der Neonazis unterbinden -
Für das Verbot von Sonnenwendfeiern an den Externsteine
-
i
i
Februar
2002
-
Lippische Landes-Zeitung. 08-02.2002: Skinhead
geht für vier Jahre in den Bau /
Mit
zwei weiteren Jugendlichen Behinderten schwer verletzt und ausgeraubt
- Lippische Rundschau,
05.02.2002: Anklage erhoben /
Besucher
der „alten Pauline“ geschlagen
-
Neue Westfälische, 04.02.2002: Kein Klima
für Rechtsradikale /
Mehr
als 8.000 Menschen folgen dem DGB-Aufruf und
Protestieren
friedlich gegen den NPD-Aufmarsch in Bielefeld
- Lippische Landes-Zeitung,
02.02.2002: Anklage gegen Neonazis /
„Pauline“-Besucher mit Holzbrett schwer verletzt
-
Neue Westfälische, 02.02.2002: Kaderschmiede
der Rechtsextremisten /
Im
„Collegium Humanum“ in Vlotho werden Neonazis für den Straßen-Kampf geschult
/
Treff
der „intellektuellen Faschisten“
-
R. Williams, 02.02.2000: Was macht
eigentlich Oberbürgermeister Eberhard David
auf
einer antifaschistischen Abschlusskundgebung?
Januar
2002
- „Gemeindebrief“ der ev.-ref. Kirchengemeinde
Detmold-West“, 31.01.2002:
Zerbrochene
Kindheit /
Eine jüdische Familie
aus Heidenoldendorf hat den Nationalsozialismus überlebt
-
i
-
-
Lippische Landes-Zeitung, 25.01.2002: Kreis-JU:
Schnelle soll gehen / Amt ruht
-
Lippische Landes-Zeitung, 25.01.2002: Linke im
Regen /
Knapp
50 Lipper demonstrieren gegen mutmaßlichen Neonazi
-
Lippische Rundschau, 25.01.2002: Demonstration
in Berlebeck /
Sprengstoff
an V-Mann übergeben
- Neue Westfälische,
25.01.2002: Schnelle soll Junge Union verlassen
-
Lippische Landes-Zeitung, 24.01.2002: Sechs Monate
für Schnelle /
Volksverhetzung:
Detmolder Ratsherr verurteilt
- Neue Westfälische,
24.01.2002: Schnelle zu Bewährung verurteilt
-
Lippische Rundschau, 24.01.2002:
Teilerfolg
der Staatsanwaltschaft gegen den Detmolder Ratsherrn Hendrik Schnelle /
Sechs
Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung
- Westfalen-Blatt,
24.01.2002: Verurteilt wegen Volksverhetzung
-
Antifaschistische Aktion, 23.01.2002:
Schwarz-Braun
ist nicht nur die Haselnuss, sondern auch die Junge Union Detmold /
Redebeitrag
auf der Demonstration:
„Revisionisten
auf die Pelle rücken! Gerd Ulrich – Drahtzieher im braunen Netz“
-
Autonome Antifa Detmold, 21.01.2002: Revisionisten
auf die Pelle rücken!
Gerd
Ulrich – Drahtzieher im braunen Netz
-
Neue Westfälische, 19.01.2002: Mit Hochglanz
gegen Rechts /
Erschienen:
Broschüre „Stop Lifestyle of Hate“ über die extreme Rechte in OWL
-
Lippische Landes-Zeitung, 19.01.2002: Skandal-Ratsherr
Schnelle vor Gericht /
Es
geht wieder um Volsverhetzung
- Lippische Landes-Zeitung,
12.01.2002: „Blut muss fließen“ / Skinheads vor Gericht
-
Lippische Landes-Zeitung, 08.01.2002: Letzte Hoffnung
für Zwangsarbeiter /
Entschädigungszahlung:
Mehrere hundert Nazi-Opfer fordern bei Stadtarchiven Unterlagen an
-
Lippische Landes-Zeitung, 08.01.2002: Gegengewicht
zum wachsenden Antisemitismus /
„Lippischer
Landesverein zur Pflege der jüdischen Geschichte und Literatur“ existierte
bis 1917
- Neue Westfälische,
07.01.2002: Neonazis beugen sich Demo-Verbot /
1000
Bürger
zeigen in Wewelsburg und Paderborn Flagge gegen Rechts
-
Neue Westfälische, 04.01.2002: Neonazi-Demos
erneut abgelehnt
-
Neue Westfälische, 04.01.2002: Bürener
gegen Forensik-Knast
-
Neue Westfälische, 03.01.2002: Nazis wollen
„Straße erobern“
2001
Dezember
2001
-
i
November 2001
-
Lippische Landes-Zeitung,
17.11.2001: Vernichtende Gedanken /
Stadtarchivar Dieter
Zoremba präsentiert Ausstellung über Feldpostbriefe
-
Lippe aktuell,
17.11.2001: Demonstration für den Frieden
-
Antifaschistischer Arbeitskreis Detmold,
14.11.2001:
Der Bayer-Konzern und
seine mögliche Verstrickung in Kriege
-
Lippische Landes-Zeitung,
10.11.2001: Mitreißende Klänge /
Antifaschistischer
Arbeitskreis feiert sein 20-jähriges Bestehen
-
Lippische Landes-Zeitung,
10.11.2001: Leserbriefe / Ein wichtiges Stück Detmold /
Überlegungen der CDU
zur „alten Pauline“ / LZ vom 2. November
-
Lippe aktuell,
07.11.2001: (Dokumentation) / Heimatkreisgemeinschaft /
Spende für „Zentrum
gegen Vertreibungen“
-
Lippe aktuell,
03.11.2001: Jürgen von Olberg übt deutliche Kritik an Bürgermeister
Brakemeier /
CDU will Haushalt nicht
mittragen /
( ... ) einen neuen
Standort für die „alte Pauline“ zu finden ...
Oktober 2001
- Neue
Westfälische, 31.10.2001: Millionenfache Folter in
der Türkei beklagt
- Neue Westfälische, 30.10.2001: Fall schnelle erneut vor
Gericht
-
Lippische Landes-Zeitung,
30.10.2001: Fall Schnelle wird neu verhandelt /
Staatsanwalt hält an
Vorwurf der Volksverhetzung fest
-
Antifaschistische Gruppen Osnabrück,
25.10.2001: Wichtige Mitteilung /
... akzeptierten Treffpunkt
für Nazis etabliert hat ...
-
Lippische Landes-Zeitung,
02.10.2001: Erzählcafé mit Soldatinnen
-
Lotta Nr.
7, 10.2001: Das „Collegium Humanum“ in Vlotho /
Ein Veranstaltungshaus
für RechtsextremistInnen aus Ostwestfalen,
der gesamten BRD und
dem europäischen Ausland
September 2001
-
Lippische Landeszeitung,
29.09.2001: Rechte Täter immer jünger /
Staatsschützer bei
Wehrkunde-Gesellschaft
-
Lippische Rundschau,
28.09.2001: Wird Urteil gegen Schnelle überprüft?
-
Lippische Landes-Zeitung,
27.09.2001: Rechtsmittel eingelegt / Schnelle-Prozess
-
Lippische Landes-Zeitung,
27.09.2001: Streit um AstA-Party /
Paderborner Pastorin
geht in Berufung
-
Lippische Rundschau,
27.09.2001: Die Angst vor der Abschiebung
-
Lippische Rundschau,
27.09.2001: Schulprojekt-Start verschoben
-
Lippische Landes-Zeitung, 27.09.2001: Projekt verschoben
/ Sühnezeichen
-
Lippische Landes-Zeitung,
25.09.2001: Neo-Nazis spazieren um die Externsteine /
Polizei schreitet nicht
ein
-
Neue Westfälische,
25.09.2001: 87 Hinweise auf angebliche Terroristen /
Bielefelder Staatsschutz
bildet Sonderkommission
-
Westfalen-Blatt,
25.09.2001: 80 Hinweise aus Ostwestfalen-Lippe –
Innenminister lässt
Führungspositionen unbesetzt /
Polizei stockt Staatsschutz
nach Attentaten auf
-
Lippische Landes-Zeitung,
24.09.2001: Extremismus in OWL
-
Lippische Landes-Zeitung,
24.09.2001: Brauchtum der Ostpreußen
-
Lippische Landes-Zeitung,
22.09.2001: Leserbriefe / Volksverhetzung /
„Bitterer Freispruch
für Schnelle“, LZ vom 15.09.2001
-
Lippe aktuell,
22.09.2001: Ratsherr Schnelle nimmt am eigenen Tisch Platz /
CDU verliert die Mehrheit
der Mandate
-
Lippe aktuell, 22.09.2001: Kommentar: Mandat zurückgeben
-
Lippische Landes-Zeitung,
20.09.2001: Schnelle gibt Parteibuch zurück /
Ex-CDU-Ratsherr will
Mandat behalten
-
Lippische Landes-Zeitung,
19.09.2001: CDU-Fraktion schließt Schnelle aus /
Ratsherr
lehnt Rückzug ab und bekommt einen Extra-Tisch
-
Lippische Landes-Zeitung,
18.09.2001: Neonazis prügeln auf 20-Jährigen ein /
Opfer
mit Holzbrett schwer verletzt – Vier Verdächtige gefasst
-
Lippische Landes-Zeitung,
18.09.2001: Drei Tage und Nächte feiern /
Alternatives
Kulturzentrum begeht 20. Geburtstag
-
DGB-Jugend OWL,
17.09.2001: KOSOVO –
Wurde Deutschland zum Ja für den Krieg
manipuliert
- Lippische Rundschau, 17.09.2001:
21-Jährigen beschimpft und geschlagen
-
Lippische Landes-Zeitung,
17.09.2001: Entwicklung des Extremismus
-
Kulturinitiative Detmold e.V.,
15.09.2001: Pressemitteilung /
Betr.:
Tätlicher Angriff auf Mitglieder der Kulturinitiative Detmold e.V.
-
Lippische Landes-Zeitung,
15.09.2001: Bitterer Freispruch für Schnelle /
Gericht:
Keine Volksverhetzung, aber üble Aussagen erwiesen
-
Lippische Landes-Zeitung,
15.09.2001: Kommentar / Fall schnelle / Ein Rücktritt ist zwingend
-
Planungswerkstatt Erinnerungskultur, 14.09.2001 / Einladung
& Programm /
„Netzwerk
Erinnerungskultur in Ostwestfalen-Lippe“ / 28. September 2001 – Universität
Paderborn /
Geschichte
in OWL 1933 – 1945. Wege der Erinnerung /
III. Netzwerk-Tagung der „Planungswerkstatt Erinnerungskultur“
-
Günter Meyners,
Rechtsanwalt, 03.09.2001:
Ausländerfeindliche
und rassistische Äußerungen des Mitgliedes des Detmolder Stadtrates,
Herrn
Hendrik Schnelle, CDU / Chronologie eines Skandals
- Neue Westfälische, 03.09.2001:
Gedenken an NS-Opfer / Mahn- und Gedenkveranstaltung in Stukenbrock
-
Neue Westfälische, 03.09.2001: Eine
Polizei zum Anfassen
August 2001
-
Lippische Landes-Zeitung, 11.08.2001:
Schüsse auf Fechenbach-Denkmal
-
Antirassistische, antifaschistische und flüchtlingsunterstützende
Gruppen, 08.2001:
03.10.2001 / Bundesweite Demonstration
/ 12.00 Uhr: Abschiebeknast Büren
-
Antifaschistisches Kreisplenum Gütersloh, 08.2001:
Antifaschistisches Jugend-Work-Camp 2001 /
Blumen für Stukenbrock
-
Arbeitskreis Blumen für Stukenbrock, 08.2001:
Aufruf zum Antikriegstag am 01. September 2001
1985
November 1985
-
Lippische Rundschau,
18.11.1985: Ratsherrn der Grünen, Dieter Zoremba, vorläufig festgenommen
/
„Schulden toten Kameraden
den Einsatz für Frieden“ /
Lautstarke Demonstration
gegen Enthüllung der Gedenktafel am 55er-Denkmal
-
Lippische Rundschau,
18.11.1995: Kommentar / Geist der Intoleranz erfordert Wachsamkeit
-
Lippische Rundschau,
18.11.1995 Volkstrauertag heute noch notwendig:
Versöhnung über Gräbern
löst alle Grenzen auf
-
Lippische
Landes-Zeitung, 18.11.1985: Gedenktafel am 55er-Denkmal
im Rahmen einer Feierstunde enthüllt /
Mahnung
der toten Soldaten: „Ihr Vermächtnis Frieden“ /
Mehr
als 4000 ließen ihr Leben – Zwei Verhaftungen bei Demonstration
-
Lippische Landes-Zeitung,
18.11.1985: Gedenken an Kämpfe um Oerlinghausen
-
Lippische Landes-Zeitung,
18.11.1985: Mit lippischen Äpfeln gegen die Apartheid
-
Lippische Landes-Zeitung,
18.11.1985: „Liederjan“ bei Friedensfest
- Lippische
Landes-Zeitung, 08.11.1985: Von den überlebenden ehemaligen „18ern“
nicht vergessen /
Mehr als 4000 gefallene Soldaten
mahnen die Lebenden: „Frieden!“ /
Traditionsgemeinschaft IR 18 enthüllt
Gedenktafel am 55er-Denkmal
Oktober 1985
-
Die GRÜNEN, Ortsverband Detmold, Arbeitskreis Frieden, 21.10.1985:
Militaristen weihen Gedenktafel ein
1984
Oktober 1984
-
Lippische Landes-Zeitung, 27.10.1984:
Bundesverteidigungsminister Wörner bestätigte auf Daweke-Anfrage:
Sowjet-Streitkräfte
üben seit längerer Zeit offen den Angriff auf Detmold /
Name der Residenzstadt
bei Herbstmanöver im Klartext genannt
1980
Dezember 1980
-
Lippische Landes-Zeitung,
04.12.1980: Regierungspräsident möchte nicht mit Kanonen auf Spatzen
schießen /
Aber: Klingenbergbesetzung
hat auch vorübergehende Nutzung durch die Stadt Detmold nun unmöglich gemacht
/
Am Freitag Gespräch
mit Besetzern auf deren Bitte – Kein Nachgeben in der Sache
-
Lippische Landes-Zeitung,
04.12.1980: Solidaritätserklärung auch vom Kreisverband „Die Grünen“
/
Behauptung: Vor der
Wahl abgegebene Versprechen nicht gehalten
-
Lippische Landes-Zeitung, 02.12.1980:
Kompromissvorschlag für Gespräch
zwischen Bürgermeister
und Regierungspräsident /
Stadt Detmold soll Klingenberg-Gebäude
vom Land NRW „auf Zeit“
zur Nutzung als Kultur-
und Kommunikationszentrum mieten /
Nach Auffassung vom Juso-Stadtverband
ist sofortiger Abbruch nicht erforderlich
-
Lippische Landes-Zeitung,
02.12.1980, KID solidarisiert sich mit Klingenberg-Besetzern /
Rat der Stadt soll
den geplanten Abbruch verhindern
-
Lippische Landeszeitung,
02.12.1980, Klassische Musik in besetzter Fabrik
-
Lippische Landes-Zeitung,
02.12.1980: Regierungspräsident „signalisierte“ Gesprächsbereitschaft
-
Lippische Rundschau,
02.12.1980: LR-Gespräch mit der Bezirksregierung nach Besetzung der
Klingenberg-Fabrik /
Regierungsvizepräsident
Vosskuhle: „Wir reagieren mit Gelassenheit“ /
„Einzelne gesellschaftliche
Gruppen sind auch in das Gesetz eingebunden“
-
Lippische Rundschau, 02.12.1980: Kommentar / Hausfriedensbruch
-
Lippische Rundschau,
01.12.1980: Polizei hielt sich zurück /
Junge Leute besetzten
die Klingenberg-Fabrik
-
Lippische Landes-Zeitung,
01.12.1980: Zeitlich befristete Aktion sollte die Mitbürger interessieren
/
Jugendliche besetzten
am Wochenende die ehemalige Klingenbergsche Fabrik /
Protest gegen Abbruch
und Forderung nach Jugend- und Kommunikationszentrum
November 1980
- Besetzerinnen der Klingenbergfabrik, 29.11.1980: Klingenbergfabrik / Vorübergehend besetzt!
September 1980
-
Kreisverband Lippe / Die Grünen,
08.09.1980: Einladung zur Wahlveranstaltung der Grünen zum Thema:
Warum grün wählen? / Es spricht Otto Shily
Hier entsteht das
Regionalarchiv: Geschichte(n) der (radikalen)
linken
und sozialen Bewegungen in Ostwestfalen-Lippe (OWL)
OWL-Archiv
2002
JU
betreibt seriöses Verfahren im Fall Schnelle
Jusos kündigen Konsens der Demokraten
Jusos betreiben billige Wahlkampfpolemik
Im Falle des wegen Volksverhetzung rechtskräftig verurteilten Detmolder JU-Mitgliedes erklärte der Sprecher des Landesverbandes, Jörg Teckhaus: „In der Jungen Union ist für solche Leute kein Platz. Deshalb legen wir größten Wert darauf, dass ein Ausschluss Schnelles sowohl schnell als gründlich erfolgt.Unser Schiedsgericht muss eine wasserdichte Entscheidung treffen, um zu verhindern, dass Schnelle auch gegen den Ausschluss Rechtsmittel einlegt.“
Der SPD-Nachwuchs sollte aus den Erfahrungen in der eigenen Partei wegen der Korruptionsaffären in Köln eigentlich wissen, das solche Schiedsverfahren, selbst wenn sie zügig betrieben werden, nicht über Nacht abzuwickeln seien.
„Die Jusos und andere betreiben offensichtlich billige Wahlkkampfpolemik als letzten traurigen Versuch, vom rot-grünen Untergang in Berlin abzulenken“, so Teckhaus weiter.
Landesvorsitzender Hendrik Wüst: „Den Kampf gegen Radikale müssen wir gemeinsam und entschlossen führen. Wer das zur Wahlkampfshow verkommen lässt, tut der Sache keinen Gefallen und kündigt den gemeinsamen Konsens der Demokraten.“
Bildunterschrift: Sprecher des Landesverbandes, Jörg Teckhaus
Juli 2002
Hendrik
Schnelle als Wahlkampfthema
Jusos greifen JU an
Detmold. Die Junge Union Detmold (JU) soll sich öffentlich von Ratsherrn Hendrik Schnelle distanzieren. So der Tenor der Reaktion der Detmolder Jungsozialisten (Jusos) auf die Entscheidung des Landesschiedsgerichts der JU, Hendrik Schnelle voterst nicht aus der Jugendorganisation der CDU auszuschließen. Außerdem drohen die Jusos an, die „Personalie Schnelle“ zum Thema im bevorstehenden Bundestagswahlkampf in Detmold zu machen.
„Was für hinreichende Beweise braucht die Junge Union denn noch?“, Benedikt Engelmeier, stellvertretender Vorsitzender der Jusos in Detmold, war erbost.
Zwei Gerichte seien unabhängig voneinander zu der Erkenntnis gekommen, Ratsherr Schnelle habe die ihm zu Last gelegten fremdenfeindlichen Äußerungen getätigt. Hendrik Schnelle gehöre damit nicht mehr zum Kreis der Demokraten. Auch die Mutterpartei habe ein Trauerspiel abgeliefert und viel zu lange gezaudert, ehe sie Schnelle den Laufpass gegeben hätte. Das Verhalten der JU setze dem Ganzen aber die Krone auf.
Einen faden Beigeschmack hinterlasse vor allem, dass Tanja Kneffel, ehemalige Vorsitzende der JU Lippe, als Landesgeschäftsführerin in das gesamte Verfahren eingebunden gewesen sei. Warum wusste Kneffel nicht, dass das Urteil gegen Schnelle rechtskräftig ist und hat darauf gedrängt, den wegen Volksverhetzung verurteilten auszuschließen, wollen die Jusos wissen. „Welche Geisteshaltung muss in der Spitze der JU vorliegen, wenn sie eine Person wie Schnelle weiterhin in ihrer Organisation duldet“, fragte Engelmeier, der selbst Mitglied der Schülervertretung an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule ist. Einer Schule, der für ihr Engagement das Prädikat „Ohne Rassismus“ verliehen wurde.
„Lippische Rundschau“, 27./28.07.2002
Schnelle bleibt in der Jungen Union
Detmold (LR). Hendrik Schnelle bleibt bis auf weiteres Mitglied der Jungen Union. Das entschied jetzt das Landesschiedsgericht der CDU-Nachwuchsorganisation. Das entsprechende Verfahren gegen den inzwischen fraktionslosen Detmolder Ratsherren soll zunächst ausgesetzt werden. Erst, wenn die Gerichte rechtskräftig entschieden hätten, dass Schnelle tatsächlich die ihm zur Last gelegten fremdenfeindlichen Äußerungen getätigt habe, soll das Verfahren wieder aufgenommen werden, kündigt die Junge Union in einem Protokoll der nichtöffentlichen Schiedsgerichtssitzung an. Die Junge Union Lippe hatte den Ausschluss beantragt.
Schnelle-Urteil
rechtskräftig
Jusos kritisieren Junge Union
Detmold (da). Das Urteil des Landgerichts Detmold gegen den ehemaligen CDU-Ratsherrn Hendrik Schnelle ist rechtskräftig. Das Oberlandesgericht Hamm habe die von der Verteidigung eingelegte Revision bereits am 14. Mai verworfen, erklärte Oberstaatsanwalt Diethard Höbrink gestern auf Anfrage.
Schnelle war im Januar in einem Berufungsverfahren wegen Volksverhetzung zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten und der Ableistung von 60 Sozialstunden verurteilt worden. Dieses Strafmaß wurde jetzt von Hamm bestätigt. Dies wiederum war offensichtlich dem Landesschiedsgericht der Jungen Union (JU) Nordrhein-Westfalen nicht bekannt, als es jüngst die Entscheidung über den Ausschluss Schnelles aus der CDU-Jugendorganisation vertagte – unter ausdrücklichem Hinweis auf die angeblich noch ausstehende Rechtskraft des Detmolder Landgerichtsurteils (die LZ berichtete).
Unterdessen haben die Detmolder Jungsozialisten den umgehenden Ausschluss Schnelles aus der Jungen Union gefordert. Außerdem solle die JU Detmold sich öffentlich von ihm distanzieren, schreibt stellvertretender Vorsitzender Benedikt Engelmeier. Ansonsten drohen die Jusos an, die „Personalie Schnelle“ zum Thema im bevorstehenden Bundestagswahlkampf zu machen.
„Was für hinreichende Beweise braucht die Junge Union denn noch?“, fragt Engelmeier. Zwei Gerichte seien unabhängig voneinander zu der Erkenntnis gekommen, der inzwischen Partei- und fraktionslose Ratsherr Schnelle habe die ihm zu Last gelegten fremdenfeindlichen Äußerungen getätigt. Auch die Mutterpartei habe viel zu lange gezaudert, ehe sie Schnelle den Laufpass gegeben habe. Einen faden Beigeschmack hinterlasse vor allem, dass Tanja Kneffel, ehemalige Vorsitzende der JU Lippe, als Landesgeschäftsführerin in das gesamte Verfahren eingebunden gewesen sei. Gerade Kneffel hätte auf den Ausschluss dringen müssen.
„Welche Geisteshaltung
muss in der Spitze der JU vorliegen, wenn sie eine Person wie Schnelle weiterhin
in ihrer Organisation duldet?“, schließt Engelmeier. Er gehört
der Schülervertretung der Geschwister-Scholl-Gesamtschule an, einer Schule,
die das Prädikat „ohne Rassismus“ verliehen bekam.
Entscheidung
vertagt
Schnelle bleibt in der Jungen Union
Detmold / Düsseldorf. Der parteilose Detmolder Ratsherr Hendrik Schnelle bleibt vorerst Mitglied der Jungen Union. Über seinen Ausschluss soll erst entschieden werden, wenn es in seinem Strafverfahren wegen fremdenfeindlicher Äußerungen eine rechtskräftige Entscheidung gibt.
Bis dahin wird das vom Kreisverband Lippe der Jungen Union angestrengte Ausschlussverfahren ausgesetzt. So lautet der Beschluss, den das Landesschiedsgericht der Jungen Union Nordrhein-Westfalen am Dienstag in nichtöffentlicher Sitzung in Düsseldorf gefasst hat. Zur Begründung führt das Landesschiedsgericht unter Vorsitz von Michael Esken und in Beisein von JU-Landesgeschäftsführerin Tanja Kneffel aus, dass noch keine abschließende Beurteilung vorgenommen werden könne, weil „nicht mit hinreichender Sicherheit feststeht“, dass Schnelle die ihm vorgeworfenen Äußerungen getan habe. Schnelle bestreite alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe.
Parteischädigendes Verhalten liege laut Satzung des CDU-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen dann vor, wenn „neben einer ehrenrührigen Handlung auch eine rechtskräftige Verurteilung derselben vorliegt“. Das Landesschiedsgericht weist darauf hin, dass der Ausschlussantrag „zumindest dann begründet sein dürfte, wenn der Schuldspruch im Strafverfahren rechtskräftig werde“.
Ahnen
auf den Spuren Joseph Plauts
Biographie über den jüdischen Sänger
Detmold. Vor 36 Jahren verstarb Joseph Plaut, der berühmte jüdische Sänger aus Detmold. Grund genug, dem Künstler einen Vortrags-Abend im Gymnasium Leopoldinum zu widmen. Dr. Peter Schütze rief das Lebenswerk Plauts und seine Flucht vor den Nazis in Erinnerung.
Nach dem Tod des Künstlers war dies die erste Vortragsveranstaltung zu Plaut in Lippe. Erschienen waren auch enge Angehörige des Sängers. Der 87-jährige Plaut-Neffe Dr. Alfred Plaut und die 65-jährige Enkelin des Künstlers, Rosemarie Bergner, wohnten der abendlichen Veranstaltung bei. Dr. Eugen Heinen hatte sie nach Detmold eingeladen. Dort besichtigten beide die jüdische Gedenkstätte hinter der alten Detmolder Synagoge. Auch dem Geburtshaus Plauts in der Wehrenhagenstraße und dem jüdischen Friedhof statteten sie einen Besuch ab. Alfred Plaut war selbst vor den Nazis geflohen und emigrierte 1933 nach England. Inzwischen ist er nach Berlin zurückgekehrt.
Heinen arbeitet zur Zeit an einer Gedenk-Biographie über Joseph Plaut. Der Neffe und die Enkelin Plauts lieferten mit ihren persönlichen Erinnerungen wertvolle Hinweise für den Biographen.
Sie überließen ihm zur Auswertung außerdem einige Originaldokumente aus der privaten Korrespondenz Joseph Plauts mit seiner Familie sowie Fotos und andere persönliche Erinnerungsstücke. Zeitzeugen aus Lippe, die noch über Dokumente, wie Zeitungsausschnitte oder Theaterzettel, Fotos, Tonmitschnitte oder Schallplatten, von und über Joseph Plaut verfügen, werden gebeten, sich bei Dr. Heinen zu melden, Telefon: (05231) 21887.
Bildunterschrift: Neffe Alfred Plaut (87) und Enkelin Rosemarie Bergner (65) am Grab von Sänger Joseph Plaut.
Kommandeur-Wechsel
im September
General W.-D. Langheld verlässt Augustdorf
Augustdorf (wi). Der Kommandeur der Panzerbrigade 21 „Lipperland“, General Wolf-Dieter Langheld, wird am 23. September sein Kommando über die Panzerbrigade an Robert Bergmann (zur Zeit Ahlen) abgeben und nach Munster wechseln. Dort wird Langheld General der Panzertruppen und Kommandeur der Panzertruppenschule, die zuständig ist für den Führungsnachwuchs der gepanzerten Truppenteile.
Die Kommandoübergabe wird am 23. September im Rahmen eines feierlichen Appell in der GFM-Rommel-Kaserne erfolgen; am selben Tag wird sich General Langheld auch ganz offiziell von der Garnisonsgemeinde Augustdorf verabschieden.
Langheld war im März 1999 nach Augustdorf versetzt worden. Die Vorbereitung des Einsatzes Augustdorfer Soldaten im ehemaligen Jugoslawien zählte zu Langhelds wichtigsten Aufgaben. General Langheld war im Kosovo für ein halbes Jahr der Befehlshaber der zu den KFOR-Streitkräften zählenden internationalen Brigade Süd. 7.400 Soldaten aus neun Nationen unterstanden seinem Kommando.
Oberst Robert Bergmann ist zur Zeit Kommandeur der in Ahlen stationierten Panzergrenadierbrigade 19. Diese wird im Zuge der Bundeswehr-Strukturreform aufgelöst.
Juni 2002
„Lippische Landes-Zeitung“, 22./23.06.2002
Feiern
nur ohne Glatzen
Kundgebung gegen rechte Aktivitäten an den Externsteinen
Horn-Bad Meinberg (Sam). Gekommen waren nicht viele. Aber die, die sich gestern auf dem Marktplatz Horn versammelten, machten deutlich, was ihnen stinkt: Nazis bei der Sonnenwendfeier an den Externsteinen.
Aufgerufen zu der Kundgebung hatte der Antifaschistische Arbeitskreis Detmold. In dessen Namen erklärte Volker Wiemann, dass die Sonnenwend-Aktivitäten der rechten Szene seit einigen Jahren wieder zunehmen. Wiemann: „Wir feiern nicht gemeinsam mit Menschen, die bereit sind, andere Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihres Andersseins sogar zu ermorden. Wir kennen auch andere schöne Plätze, wo man ungestört feiern, lachen oder trommeln kann.“
Er rief dazu auf, eine Atmosphäre zu schaffen, in der menschenverachtendes Gedankengut keinen Platz habe. Dies werde möglich durch das „Einmischen, wenn jemand rassistische Sprüche äußert“, durch die Annäherung der unterschiedlichen Kulturen, durch die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit.
Sein Unverständnis darüber, dass der Ex-Kommandant des italienischen Polizei- und Durchgangslagers Fossoli, Karl Friedrich Titho, bis zu seinem Tod nahezu unbehelligt in Horn-Bad Meinberg leben konnte, brachte Dieter Zoremba (Arbeitsgemeinschaft Fossoli) zum Ausdruck: „So gehört es in Deutschland offensichtlich zur ganz normalen Auffassung, dass der Kommandant eines Lagers, aus dem Juden in die Vernichtung geschickt wurden, eigentlich gar nichts getan hat.“
Bildunterschrift: Zumindest gabs vom Hessischen Rundfunk Resonanz auf die Kundgebung in Horn. Ein Kamerateam aus Frankfurt war angereist, um über die Demo und die Sonnenwendfeier an den Externsteinen zu berichten. Rechts im Bild: Volker Wiemann.
Antifaschistischer
Arbeitskreis Detmold, AG Fossoli,
10.06.2002
Die
Rekrutierungsmöglichkeiten der Neonazis unterbinden -
Für das Verbot von Sonnenwendfeiern an den Externsteinen
Offener Brief an den Landesverband Lippe
Sehr geehrte Damen und Herren,
antisemitisch und rassistisch motivierte Gewalt sowie Terror gegen Andersdenkende haben in Ostwestfalen-Lippe besorgniserregend zugenommen.
Ein Beispiel aus der Schaumburger Zeitung vom 23. April 2002:
Organisierte Neonazis aus Minden und Schaumburg entführen nach einem NPD-Selbstschulungstag an Hitlers Geburtstag gewaltsam einen Schüler aus Rinteln. Die Polizei, die den Rintelner aus dem Wagen der Täter befreien kann, stellt schwere Misshandlungen fest.
Einen nicht unbedeutenden Anteil am Zulauf der militanten Neonazi-Szene in OWL haben die jährlich am 21. Juni stattfindenden Sonnenwendfeiern an den Externsteinen. Insbesondere in den Jahren 1999, 2000 und 2001 rekrutierten hier verstärkt braune Aktivisten aus den Freien Kameradschaften Bad Salzuflen, Bielefeld, Minden und Bünde erfolgreich Nachwuchs. Ebenso die NPD-Kreisverbände aus Schaumburg und Minden.
Diesen Aktivitäten muss ein Ende gesetzt werden!
Schon seit einigen Jahrzehnten mobilisiert der braune Sumpf zu dieser vermeintlichen Germanischen Kultstätte. Wir erinnern hier an die klare Stellungnahme des Rates der Stadt Horn-Bad Meinberg vom 13. Juni 1985:
Kompromisslos wurde das Verbot der Sonnenwendfeiern gefordert!
Unter einem verschärften und weitaus bedrohlicherem Klima gegen unterdrückte und verfolgte Menschen durch Nazis in diesem Staat knüpfen wir heute daran an:
Die unterzeichnenden Organisationen fordern den verantwortlichen Landesverband Lippe hiermit unmissverständlich auf, die Sonnenwendfeiern an den Externsteinen generell zu verbieten.
Antifaschistischer Arbeitskreis Detmold, 08.06.2002
Faschismus
ist keine Meinung – Faschismus ist ein Verbrechen
Gemeinsam gegen Sonnenwendfeiern von Neonazis!
Kundgebung: Freitag, 21.06.2002, 17.00 Uhr, Horn – Rathaus
Seit Jahrzehnten treffen sich Neonazigruppen aus dem gesamten Bundesgebiet an den Externsteinen zu Sonnenwendfeiern. Unter Beteiligung zahlreicher Bürger und Bürgerinnen aus Horn – darunter der damalige Bürgermeister – demonstrierten bis Ende der 80-er Jahre viele hundert Menschen gegen diese Treffen. Dutzendfache rassistisch motivierte Morde (u.a. Solingen!), an denen auch Neofaschisten beteiligt waren, pogromartige Übergriffe gegen Flüchtlinge und MigrantInnen (Rostock, Hoyerswerda ... ) zeigen, dass auch heute solche Treffen nicht verharmlost werden dürfen und ein Protest dagegen notwendiger denn je ist.
Was sind Sonnenwendfeiern?
Sonnenwendfeiern waren ursprünglich germanische Feste. Dieser germanische
Kult wurde von den Nazis während der Zeit des Faschismus zur Verherrlichung
ihrer Weltanschauung wieder aufgegriffen; wir wissen, was das Ergebnis war:
Ermordung und Vernichtung der JüdInnen und Andersdenkender sowie Millionen
Tote des 2. Weltkrieges.
Was passiert am
21. Juni?
Bei Sonnenwendfeiern der Neonazis lebt – z.T. Geschickt verpackt – faschistisches
Gedankengut wieder auf. Von AugenzeugInnen und aus Berichten wissen wir, was
heute auf solchen Treffen propagiert wird: Verherrlichung der Fronterlebnisse
im 2. Weltkrieg, Verharmlosung der Naziverbrechen, Rassismus (Fremdenfeindlichkeit)
... Hinzu kommt der Versuch, Jugendliche durch Lagerfeuerromantik, „Kameradschaft“
und „Stärkegefühl“ für Nazigruppen zu ködern bzw. für
eine Mitgliedschaft zu gewinnen. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob es sich
dabei um sogenannte „Freie Kameradschaften“, NPD oder religiös-faschistische
Sekten wie Goden bzw. Armanen handelt.
Warum werden dann
solche Treffen nicht verhindert?
Durch die Protestaktionen in den 80-er Jahren konnte erreicht werden, dass
größere Neonazitreffen nicht mehr stattfinden konnten. Proteste
gegen diese Treffen waren also damals erfolgreich. Daran möchten wir
heute anknüpfen. Überall dort, wo sich diese Gruppen öffentlich
treffen wollen, müssen wir ihnen entgegen treten. Wir befürchten
sonst:
Eine Ausweitung rassistischen Gedankengutes und rassistisch motivierter Gewalt
(Morde!),
Terror gegen Andersdenkende,
Schleichende Akzeptierung neonazistischen Gedankenguts.
Zeigen wir deshalb durch unsere Anwesenheit in Horn, dass wir zum Widerstand
gegen (neo)nazistische Gruppen und ihre Ziele entschlossen sind.
Februar
2002
„Lippische
Landes-Zeitung“, 08.02.2002
Skinhead
geht für vier Jahre in den Bau
Mit zwei weiteren Jugendlichen wehrlosen
Behinderten schwer verletzt und ausgeraubt
Bad Salzuflen / Detmold (gs). Teil zwei in dem Prozess gegen die Skinheads,
die im August vergangenen Jahres auf dem Salzhof einen Mann ausgeraubt und
zusammen geschlagen haben. Der dritte Täter wurde zu einer Jugendstrafe von
vier Jahren verurteilt.
Nachdem das
Landgericht Detmold zwei Schläger am 11. Januar zu je fünf Jahren Hadt verurteilt
hat (die LZ berichtete),
stand gestern der „Dritte im Bunde“ vor dem Jugendschöffengericht in Detmold.
Das Urteil gegen Bert Th. (Name geändert) wurde wegen gemeinschaftlichen schweren
Raubes in Tateinheit mit gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung
verhängt.
Die drei Skinheads
waren ihrem späteren Opfer zufällig auf dem Salzhof begegnet und beschlossen
spontan, den behinderten Mann auszurauben. Sie schlugen den 45-Jährigen zu
Bodenund traten dann auf das wehrlose Opfer ein. Die Beute: drei Kreditkarten
mit Geheimnummer sowie einige Mark Bargeld. Aufgrund von Videoaufzeichnungen,
die die Skins beim Versuch zeigten, an verschiedenen Automaten Geld abzuheben,
wurden schließlich alle drei Täter identifiziert und eine Woche später festgenommen.
Th. war laut
Auffassung des Gerichts nur ein Mitläufer. Er bekannte sich gestern zur Skinhead-Szene,
wo er nach einer verpatzten Jugend anscheinend Anerkennung gefunden habe.
Das Trio hatte nach eigenen Angaben im Laufe des Vortages und der Nacht reichlich
dem Alkohol zugesprochen. Nach durchzechter Nacht benötigte es Geld für neues
Bier.
Das Opfer wollte
sich an diesem Morgen wie an jeden Markttag um die Elektrizität für die Marktbeschicker
kümmern. „Der Mann war halt zur falschen Zeit am falschen Ort“, stellte Richter
Jochen Velhagen lapidar fest. Obwohl der Angeklagte mit schweren Springerstiefeln
auf den wehrlosen Mann eingetreten habe, sei er vielleicht nicht das Monster,
das die objektiven Tatbestände vermuten lassen würden.
Velhagen: „In
seinem Leben ist sicherlich viel schief gelaufen, verhängnisvoll war der Anschluss
an eine rechtsradikale Jugendgruppe. Er hat zwar keine einschlägige Vorbelastung,
aber seine Vorstrafen zeigen eine dynamische Entwicklung mit krimineller Energie
auf. Obwohl er seine Tat gestanden hatund sich auch nach dem Bekanntwerden
der Fahndung der Polizei gestellt hat, kommt nur eine empfindliche Jugendstrafe
für ihn in Frage.“
Der verurteilte
Th. Will in der Justizvollzugsanstalt nach eigenen Angaben seine Chance wahrnehmen
und während der Verbüßung seiner vierjährigen Haftstrafe eine Lehre absolvieren.
„Lippische
Rundschau“, 05.02.2002
Anklage erhoben
Besucher
der „alten Pauline“ geschlagen
Detmold (blz).
Drei Männer aus der so genannten rechten Szene müssen sich in den nächsten
Monaten wegen schwerer Körperverletzung, Volksverhetzung und weiterer Delikte
vor Gericht verantworten. Sie sollen in der Nacht zum 15. September 2001 Besucher
der Jubiläumsfeier in der „alten Pauline“ angegriffen und teilweise schwer
verletzt haben. Oberstaatsanwalt Diethard Höbrink bestätigte auf Anfrage der
LIPPISCHEN RUNDSCHAU, dass die Staatsanwaltschaft Detmold Anklage erhoben
hat.
Das 20-jährige
Bestehen des autonomen Jugendzentrums an der Bielefelder Straße wurde an diesem
Abend gefeiert. Doch nicht nur Gäste kamen, auch vier junge Männer in Springerstiefeln
und mit geschorenen Köpfen fuhren mit dem Auto vor, berichten Höbrink und
der Detmolder Rechtsanwalt Günter Meyners, der eines der späteren Opfer vor
Gericht vertreten wird.
Grundlos
beschimpft
Die vier hätten
die Besucher der „Pauline“ grundlos mit Parolen wie „Zecken raus“ und „Juden
raus“ beschimpft, berichtet Meyners weiter. Einige Besucher des Jugendzentrums
seien kurz darauf zum Vobis-Parkplatz gegangen, weil sie die Autokennzeichen
der ungebetenen Gäste notieren wollten – als plötzlich zwei der Provokateure
„mit Holzlatten bewaffnet“ auf sie zugestürmt seien. Drei Besuchern gelang
laut Meyners die Flucht, doch ein Beteiligter wurde eingeholt und zu Boden
geworfen.
Der eine Verfolger
habe den Mann dann festgehalten, während der andere „mehrfach mit der Holzlatte
auf den Kopf des Besuchers einschlug“ und ihn mehrmals mit seinen Springerstiefeln
getreten habe, die Stahlkappen hatten, berichtet der Rechtsanwalt.
Als die Angreifer
in ein Auto eingestiegen waren, habe sich ein anderer Besucher der „alten
Pauline“ vor den Wagen gestellt, um die Abfahrt zu verhindern. Der Fahrer
habe aber trotzdem Gas gegeben, so dass sich der Besucher „nur durch einen
Sprung zur Seite in Sicherheit bringen konnte“. Ein Fahrzeuginsasse habe gegenüber
der Polizei später angegeben, der Mann mit dem Brett habe sich im Auto damit
gebrüstet, „den einen halbtot geschlagen“ zu haben.
Gegen drei
der aus Detmold und Umgebung stammenden mutmaßlichen Provokateure erhebt die
Staatsanwaltschaft Detmold nun Anklage wegen Volksverhetzung, gemeinschaftlicher
gefährlicher Körperverletzung und wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.
Prozessauftakt
im April
Da zwei der
Angeklagten zum Tatzeitpunkt 18 und 20 Jahre alt waren, ist das Jugendschöffengericht
zuständig. Das Verfahren könne frühestens im März eröffnet werden, kündigte
Oberstaatsanwalt Höbrink auf Nachfrage an – wahrscheinlicher sei jedoch ein
Prozessauftakt im April.
„Neue
Westfälische“, 04.02.2002
Kein
Klima für Rechtsradikale
Mehr als 8.000 Menschen folgen dem DGB-Aufruf
und
protestieren friedlich gegen den NPD-Aufmarsch
in Bielefeld
Bielefeld.
Es ist ein wunderschöner Frühlingstag. 17 Grad meldet Radio Bielefeld am
Mittag. „Die Sonne scheint auf Gerechte und Ungerechte gleichzeitig“, meint
Roland Engels. Der Vorsitzende des DGB Kreises Bielefeld / Gütersloh führt
einen der drei Sternmärsche an, bei denen mehr als 8.000 Menschen friedlich
gegen den Aufmarsch der Neonazis in Bielefeld demonstrieren. „Eigentlich müsste
über dem Ostbahnhof eine Gewitterwolke sein“, stellt Engels mit einem Blick
zum strahlend blauen Himmel fest. Am Ostbahnhof ist der Sammelpunkt der 1.700
Rechtsextremen, die gegen die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ aufmarschieren.
2.300 Polizisten und 470 Beamte des Bundesgrenzschutzes schirmen die verschiedenen
Demonstrationszüge hermetisch voneinander ab. Mit Erfolg. Während die Neonazis
bei ihrem Marsch dumpfe Parolen grölen, gerät die DGB-Veranstaltung zu einem
Volksfest gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit. Hier die Chronik eines
ungewöhnlichen Tages:
Frühstücken
gegen Rechts. 100 Menschentreffen sich unter diesem Motto am Ostbahnhof, um
zu protestieren, bestenfalls dem NPD-Sonderzug die Einfahrt zu versperren.
Aber Polizisten haben das Gelände bereits gesichert.
Der Platz vor
dem Wiesenbad füllt sich mit Menschen. Polizisten verteilen Zettel mit Tipps
für die DGB-Demo-Teilnehmer und Buttons. Auf denen steht „Halt gegen „Gewalt“.
Vor dem Hauptbahnhof
super Stimmung bei Live-Musik. 800 Menschen, darunter viele Eltern mit Kindern
sind dem DGB-Aufruf gefolgt.
Seit einer
Stunde ist die Wehrmachtsausstellung geöffnet. Der Andrang ist groß.
Die ersten
zehn Rechtsextremisten erscheinen, darunter Stefan Luchs, Mitglied
im NPD-Bundesvorstand und einer der Mitorganisatoren des NPD-Umzuges. Sie
werden auf Waffen durchsucht. Kahlköpfe müssen verbotene Embleme abkleben.
Der Demo-Zug
des DGB setzt sich in Bewegung. „Nazis raus“ wird skandiert und „Ene meine
miste, Nazis in die Kiste“. Mit in der friedlichen Demo sind auch mehr als
100 Personen, die der autonomen, gewaltbereiten Szene zugerechnet werden.
Der zweite
DGB-Demonstrationszug startet. Zehn Minuten später beginnt der dritte Zug
am Hauptbahnhof.
in der Nähe
des AJZ (Arbeiter-Jugend-Zentrum): „Jeder muss sich nun entscheiden, wo er
lang geht“, heißt es aus einem AJZ-Lautsprecher-Bulli. Ein indirekter Aufruf,
die Straße gerade aus weiter zu marschieren, um zum NPD-Aufmarsch zu gelangen.
Der Interregio
10015 fährt ein. 300 Rechte steigen von dort aus in den Sonderzug auf Gleis
1. Die Polizei hat mehr als 200 Beamte zusammengezogen.
Die mehr als
100 gewaltbereiten Demonstranten lösen sich aus dem Wiesenbad-Zug, versuchen
die Absperrungen zu durchbrechen, gehen auf Polizisten los. Pfefferspray wird
von den Beamten eingesetzt. Bilanz: vier verletzte Angreifer.
Die Zahl der
Rechten schwillt auf rund 600 an. Aus einem blauen Passat, der mit vier Megaphonen
ausgerüstet wurde, dröhnt – offenbar zur geistigen Erbauung „Schön blühn die
Heckenrosen“. Auf der Ladenfläche eines Pritschenwagens sitzen der bekannte
Neonazi Christian Worch und der, aus der NPD ausgeschlossene Steffen
Hupka, ein rechter Scharfmacher.
Der zweite
Zug mit 800 Rechten aus dem Rheinland kommt an.
Als Hupka
zu einer Rede ansetzt, erntet er Buh-Rufe. Mit Marschmusik versuchen andere
Rechtsextremisten Hupka zu übertönen. Tumultartige Szenen – scheinbar
sind sich die NPDler nicht einig, wer nun das Recht zur Rede hat. Jetzt geht
alles blitzschnell. Einige Nazis gehen auf Journalisten los, schlagen sie
sogar, versuchen Reporter am Fotografieren zu hindern – von der handgreiflichen
Diskussion soll nichts nach außen gelangen.
Ein Gedenkgottesdienst
gegen die NPD-Demo beginnt; der rechte Zug wird später am Gotteshaus vorbeiziehen.
Kundgebung
mit Rainer Wend (Bielefelder SPD-Bundestagsabgeordneter) und Annelie Buntenbach
(MdB der Grünen). Wend fordert das Versprechen, dass Bielefeld „eine Stadt
bleibt, in der sich Minderheiten wohlfühlen und von der Toleranz ausgeht“.
Buntenbach: „Diese Aufmärsche sind die Beleidigung der Opfer des Nationalsozialismus.“
Der NPD-Sonderzug
rollt ein. Minuten später schwillt die braune Flut an. Mit dabei: Der Alt-Nazi
Friedhelm Busse, dem die Polizei kurz zuvor Redeverbot erteilt hatte.
Die Beamten sprechen später von 1.700 Rechtsradikalen. Spezialtrupps gegen
„politisch motivierte Straftaten“ und Staatsschützer, die sich mehr oder minder
unauffällig um die Demo gruppiert haben, lassen die NPD-Demonstranten nicht
aus den Augen. 15 Minuten später setzt sich der Zug in Bewegung. Anwohner
haben überall Plakate gegen die Nazis aufgehängt. „Verpisst euch“ und „Nazis
raus“ rufen sie.
Der DGB-Demonstrationszug
startet Richtung Altstadt. Von dort geht es zum Rathaus.
Autonome Gewalttäter
versuchen die Polizeiabsperrung zu durchbrechen, werfen mit Glasflaschen auf
den NPD-Tross. Ein Fotograf, der für den Stern die Szenerie festhalten
will, wird durch Glassplitter an der Hand verletzt. Immer wieder versuchen
die gewaltbereiten Autonomen zum NPD-Umzug vorzudringen.
Abschlusskundgebungmit
Ronald Engels (Regionalvorsitzender des DGB), Oberbürgermeister Eberhard David,
Regine Burg (Bielefelder Superintendentin) und Ismail Tas vom Bielefelder
Ausländerbeirat. Bei der Rede Davids gibt’s Pfiffe und „Heuchler“-Rufe. Der
Oberbürgermeister setzt seine Rede fort, spricht sich gegen Rassismus und
Antisemitismus aus.
Der NPD-Umzug
stoppt. Redner versuchen sich in Geschichtsklitterung.
Die DGB-Demo
ist beendet.
Bevor sich der NPD-Zug wieder in Bewegung setzt, ziehen Polizeibeamte den
Neonazi Worch aus dem Verkehr. Er hatte verbotenen Parolen skandiert.
Auch der Anmelder des NPD-Aufmarsches, Timo Pradel aus Bielefeld, war
Minuten vorher wegen seiner Sympathiebekundung für die SS vom Aufmarsch ausgeschlossen
worden. Beide erwartet ein Strafverfahren.
Der Sonderzug rollt ein. Die Rechten verschwinden wieder in Richtung Hauptbahnhof.
Gegen 18.20 Uhr ist die braune Flut verebbt. Bielefeld gehört wieder seinen
Bürgern.
Auf dem Flur im ersten Stock ein festgenommener Kahlkopf, der, von Bereitschaftspolizisten
eskortiert, Richtung Gewahrsam trottet. Polizeipräsident Erwin Südfeld und
Einsatzleiter Heinrich Haubrock ziehen eine positive Bilanz. Kaum Ausschreitungen.
Ob es am 2. März eine weitere Demo, die diesmal vom Rechtsradikalen Worch
angemeldet wurde, geben wird, bleibt abzuwarten. Haubrock: „Wir werden die
Vorfälle bei der NPD-Demo prüfen.“ Vielleicht reichen sie für ein Verbot des
Aufmarsches aus.
„Lippische
Landes-Zeitung“, 02.02.2002
Anklage
gegen Neonazis
„Pauline“-Besucher mit Holzbrett schwer
verletzt
Detmold (Sam).
Gegen drei Neonazis, die im September 2001 einen Besucher der „alten Pauline“
zusammengeschlagen haben sollen, wird Anklage erhoben. Dies teilte der Rechtsanwalt
des Opfers, Günter Meyners (Detmold), mit.
Wie berichtet,
war der junge Mann mit einem Holzbrett angegriffen und am Kopf schwer verletzt
worden, nachdem er die Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen des Kulturzentrums
an der Bielefelder Straße verlassen hatte. Die Täter sollen nach Angaben des
Anwaltes zudem Parolen wie „Zecken raus“ und „Juden raus“ gerufen und mit
ihrem Wagen gefährlich auf andere Besucher zugefahren sein.
Halb totgeschlagen
Wie Meyners
weiter berichtet, habe einer der Verdächtigen später damit geprahlt, den Pauline-Gast
„halb totgeschlagen“ zu haben. Noch in der Nacht waren die Männer vorläufig
festgenommen worden.
Laut Meyners
hat die Staatsanwaltschaft Detmold nun gegen die drei Rechtsradikalen Anklage
wegen Volksverhetzung, gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung und
gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr erhoben. Zwei der Männer seien
zum Zeitpunkt der Tat 18 und 20 Jahre alt gewesen. Bei ihnen werde im Falle
einer Verurteilung das Strafrecht für Heranwachsende zu Grunde gelegt, sagte
der Jurist.
„Wohl nur dem
glücklichen Umstand, das der überfallene Besucher wie durch ein Wunder nicht
schwer verletzt wurde, haben es die Angeklagten zu verdanken, dass die Anklage
nicht auf versuchten Totschlag lautet“, sagte Meyners.
Gefährliche
Körperverletzung
Der Sprecher
der Staatsanwaltschaft, Karl-Heinz Schneider, konnte gestern nicht bestätigen,
dass Anklage erhoben worden ist. Der zuständige Oberstaatsanwalt befinde sich
derzeit nicht im Dienst, hieß es.
„Neue
Westfälische“, 02.02.2002
Kaderschmiede
der Rechtsextremisten
Im „Collegium Humanum“ in Vlotho werden
Neonazis für den Straßen-Kampf geschult
Treff der „intellektuellen Faschisten“
Von Oskar Emm
Vlotho / Bielefeld.
So ein Aufmarsch muss gut vorbereitet sein. Aus dem gesamten Bundesgebiet
reisen die NPD-Sympathisanten heute nach Bielefeld, um durch den Osten der
Stadt zu marschieren. Das verlangt eine ausgeklügelte Logistik und stramme
Disziplin. Die nötige Wissensbasis für das Gelingen einer Demonstration lernen
die Organisatoren regelmäßig auf „Unterführerschulungen“ im „Collegium Humanum“.
Das ist ein Veranstaltungsort der extremistischen Rechten im ostwestfälischen
Vlotho.
Die NPD, Anmelder
der heutigen Demonstration in Bielefeld, könnte allein aus Ostwestfalen kaum
100 Anhänger für einen Marsch mobilisieren. Die Partei ist daher auf Mithilfe
der „Freien Kameradschaften“ angewiesen. Das sind regionale und lokale Sammelbecken
von Neonazis. Um auf eine Teilnehmerzahl von über 1.000 zu kommen, ist es
nötig, die Gleichgesinnten aus ganz Deutschland nach Bielefeld zu lotsen.
In der Regel werden um die 30 Sammelpunkte in der Republik eingerichtet. In
Bussen geht es anschließend weiter in eine Stadt nahe des Demonstrationsortes,
in diesem Fall könnten das Hamm oder vielleicht Hannover sein. Von dort aus
bringt die Bahn die Teilnehmer ans Ziel.
Nun warten
auf die Ordner und Organisatoren der Rechtsextremisten die nächsten Aufgaben:
Sammeln zum geordneten Abmarsch und aufpassen, dass die Teilnehmer die Demonstration
nicht gefährden durch (zu offensichtliche) verfassungsfeindliche Parolen oder
andere Straftaten. Damit dieser Ablauf gewährleistet werden kann, bilden die
führenden Rechtsextremisten gezielt so genannte „Unterführer“ aus. In Ostwestfalen
hat sich das Collegium Humanum für solche Aktivitäten mittlerweile etabliert.
Nach Informationen von Szenebeobachtern pauken die Neonazis in Vlotho regelrecht
Schulfächer. Demnach stehen zum Beispiel „Verschlüsselungstechniken“, „Polizeifunk
abhören“, „Geländeübungen“ (auch Wehrsport genannt) und „Deutsche Geschichte“
auf dem Stundenplan. „Am Ende müssen die Teilnehmer Abschlussprüfungen ablegen,
bei denen sie auch durchfallen können“, berichten Kenner der Naziszene. Regelmäßige
Teilnehmer dieser Schulungswochenenden – mindestens drei hat es 2001 gegeben
– sind die bekannten Bielefelder Neonazis Bernd Stehmann und Meinhard Otto
Elbing. Beide gehören zur mittleren Ebene der Hierarchie innerhalb des rechtsextremen
Spektrums. Sie treten als Ordner bei Aufmärschen in ganz Deutschland in Erscheinung.
Stehmann hat sich zudem einen Namen als Herausgeber eines Nazi-Skinhead-Magazins
gemacht, das auch im Haus des Collegium Humanums verkauft wird. Dieser Verein
ist 1963 auf Initiative von Prof. Werner Haverbeck (t) gegründet worden. Haverbeck war im Dritten
Reich Leiter der „Reichsmittelstelle für Volkstumsarbeit“. Er gehörte zum
persönlichen Stab von Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess. 1974 wurde der zeitweise
an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Fachhochschule Bielefeld tätige
Professor Präsident des „Weltbunds zum Schutz des Lebens – Bundesverband Deutschland“
(WSL-D). Dieser Verein beschäftigt sich vornehmlich mit einem völkischen Rassismus.
Der WSL-D wird vom Verfassungsschutz NRW als rechtsextrem eingestuft.
Karikaturunterschrift:
Im Collegium: Pauken für den „Endsieg“.
Das ländlich
gelegene Vereinshaus Collegium Humanum wird von unterschiedlichen Gruppierungen
des rechten Randes als Seminar-, Schulungs- und Kultur-Veranstaltungsort genutzt.
So spielte dort im März vergangenen Jahres der Gütersloher Musiker „Sleipnir“,
dessen CD „Mein bester Kamerad“ 1998 wegen volksverhetzenden Inhalts beschlagnahmt
wurde. Anschließend trat die schottische Band „Nemisis“ auf. Deren Sänger
ist Herausgeber des schottischen „Blood & Honour“- Magazins. Die Nazirock-Organisation
Blood & Honour wurde in Deutschland im Jahr 2000 verboten.
Bildunterschrift:
Der Bielefelder Neonazi Bernd Stehmann gehört zur mittleren Hierarchieebene
der rechtsextremen Szene.
Im Collegium
gehen auch die so genannten „Neuen Rechten“ ein und aus. Im August 2001 verbreiteten
laut gesicherten Informationen mehr als ein Dutzend Referenten unter anderem
aus Frankreich, Belgien, der Schweiz und Deutschland ihre Denkansätze während
eines „Sommerseminars“.
Bildunterschrift:
Meinhard Otto Elbing, Ex-Funktionär der verbotenen „Nationalistischen Front“
ist regelmäßig Gast in Vlotho.
Der ehemalige
Leiter des Bielefelder Staatsschutzes, Ulrich Ettler, nannte diese intellektuellen
Rechtsideologen „gefährlicher als Skinheads“, da sie leichter andere Menschen
verführen könnten. Dafür sind sie da. Im Collegium Humanum, der Nazi-Kaderschmiede,
bekommt der Rechtsextremist sein ideologisches und geistiges Rüstzeug für
den angestrebten „Endsieg“.
R.
Williams, 02.02.2002
Was
macht eigentlich Oberbürgermeister Eberhard David
auf
einer antifaschistischen Abschlusskundgebung?
Bei der DGB-Abschlusskundgebung
soll unter anderem der CDU-OB der Stadt Bielefeld eine Rede halten. Der DGB
gibt damit dem Mann die Möglichkeit, sich als guter Antifaschist zu profilieren,
der ansonsten in der Bielefelder Lokalpolitik gerne Geschichtsrevisionismus
betreibt. Die Regierung um OB David hat der Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht
... „ jede ideelle und finanzielleUnterstützung verweigert. Mit der Benennung
einer Straße in Bielefeld in „Kaselowskystraße“ hat der OB und seine Ratsmehrheit
aus FDP / CDU / BFB ein weiteres mal gezeigt, wie er zu der nationalsozialistischen
Vergangenheit Bielefelds steht. Richard Kaselowsky war Mitglied des „Freundeskreises
Heinrich Himmler“. Kaselowsky hat damit aktiv die Verbrechen des Faschismus
unterstützt. Der Skandal ist um so größer, wenn man weiss, dass erst vor kurzem,
nach jahrzehntelangem Kampf die Kunsthalle endlich nicht mehr „Kaselowskyhalle“
heisst. Die Verharmlosung der nationalsozialistischen TäterInnen und ihrer
Verbrechen wird damit nicht nur von Neonazis forciert, sondern auch von etablierten
Parteien. Wir wissen nicht, was David als Redner auf einer antifaschistischen
Kundgebung zu suchen hat. David repräsentiert weder AntifaschistInnen, noch
die interkulturelle Gesellschaft, die in Bielefeld längst Realität ist.
Im Gegenteil:
Als CDU-Mitglied vertritt David eine Partei, die für rassistische (Leitkultur-)
Kampagnen bekannt ist und deren aktueller Kanzlerkandidat E. Stoiber schon
mal gerne über eine „durchrasste“ Gesellschaft schwadroniert.
Als VertreterInnen
einer antirassistischen und antifaschistischen Politik für Bielefeld (und
weltweit) stellen wir uns nicht nur gegen militante Neonazis, sondern auch
gegen Verharmlosung von faschistischen Verbrechen, egal von welcher Coleur
sie vorgetragen werden.
Bildunterschrift:
Wenn sie diesen Mann auf der RednerInnenbühne
sehen ... pfeifen Sie bitte! Drücken Sie Ihren Unmut aus!
Es ist unklar, aus welchen Motiven der DGB handelt, wenn er sich solche
Schoten überlegt.
David als Redner vom Podium pfeifen!
Januar
2002
„Gemeindebrief“
der ev.-ref. Kirchengemeinde Detmold-West“, 31.01.2002
Zerbrochene
Kindheit
Eine jüdische Familie aus Heidenoldendorf
hat den Nationalsozialismus überlebt
Gertrud Wagner
Sie ist 1931
in Heidenoldendorf geboren. Ihre Eltern besaßen dort ein kleines Haus. Auf
dem ältesten Foto von ihr sieht man sie zwischen ihren Brüdern, die stolz
die kleine Schwester an der Hand halten. Ein Foto als Dokument einer glücklichen
Kindheit? Zunächst ja. Doch zunehmend muss Ruth Ehrmann befremdende
Erfahrungen machen. Von ihrem Lehrer wird sie manchmal Judenkind genannt.
Am 9. November 1938 klingelt es morgens um 4 Uhr plötzlich an der Tür. Keine
Zeit für Besuche! Ein Freund der Familie will sie warnen: „Versteckt euch!
In Detmold brennt die Synagoge!“ Zwei Stunden später wird der Vater verhaftet.
Die Familie wird gezwungen aus der eigenen Wohnung auszuziehen, von nun an
leben sie auf dem Dachboden im eigenen Haus. Ihr Vater wird frei gelassen,
verliert aber seine Arbeit. Ab jetzt kann die Siebenjährige ihrer Umgebung
nur noch in solche einteilen, die zu ihr halten, und solche, vor denen sie
sich in Acht nehmen muss. Ruth muss nun lernen ein „jüdisches Kind“ zu sein.
Da ihre Mutter nach Hitlers Rassegesetzen „arisch“ ist (sie war bei ihrer
Heirat zum Judentum übergetreten), hat die Familie noch einen gewissen Schutz.
Aber Ruth darf nun nicht mehr in die öffentliche Volksschule gehen, sondern
nur noch in die provisorisch eingerichtete, kümmerliche jüdische Notschule
in Detmold, Gartenstraße 6. Den drei Geschwistern ist es noch erlaubt, als
„Halbjuden“ mit der Straßenbahn nach Detmold zu fahren, doch wenn die Bahn
zu voll ist, müssen sie aussteigen und zu Fuß weitergehen. Ab und an werden
sie dabei mit Steinen beworfen oder angespuckt. Mit Beginn des Krieges am
01.09.1939 wird der Alltag noch schwieriger.
Ein guter Freund,
der sie bisher oft schützen konnte, wird eingezogen. Die Lebensmittelkarten
sehen für Juden nur halbe Portionen vor. Aber es gibt immer noch treue Freunde.
So begleitet Tante Martha W. die Kinder manchmal zur Schule um sie vor den
Anfeindungen „arischer“ Kinder zu schützen. Ruth bekommt auch etwas von den
erfolglosen Bemühungen der Eltern um Auswanderung mit. Sie hört, dass Angehörige
der Jüdischen Gemeinde „in den Osten“ verschickt werden. Es ist unheimlich,
dass Menschen, die sie kannte, einfach verschwinden. 1942 musste auch die
jüdische Notschule schließen. 1943 wurden der Vater und die Brüder in ein
Arbeitslager nach Bielefeld gebracht. Einmal fuhr sie mit der Mutter nach
Bielefeld um die drei zu besuchen. Der Vater und die großen Brüder hatten
immer Schutz für sie bedeutet, jetzt erlebt sie, wie die drei selber hilflos
sind. Schließlich wurden Vater und Brüder in die Lager Zeitz und Overlock
verschickt, wo die Mutter sie noch einmal besuchte. Der Vater und Karl kehrten
von dort zurück, von Hans kam eine Postkarte: „Ich bin auf dem Weg zu Tante
Irmgard.“ Das war in der Familie das verabredete Stichwort für das KZ Theresienstadt.
Fast am Ende
des Krieges, im Februar 1945, wurden schließlich der Vater und Karl zusammen
mit der inzwischen 14-jährigen Ruth auch nach Theresienstadt deportiert. Dort
geriet sie in ein Lager, in dem inzwischen chaotische Zustände herrschten.
Die Überlebenden der „Todesmärsche“ aus den aufgelösten KZs im Osten kamen
in dem bei Prag gelegenen Lager ausgehungert oder schon halbtot an. Ruth wäre
fast an einer Mandelentzündung gestorben, eine Typhusepidemie brach aus, bei
der auch nach der Befreiung des Lagers durch die russische Armee noch viele
starben.
Im Sommer 1945
findet sich die Familie Ehrmann in Heidenoldendorf wieder zusammen. Sie sind
alle noch am Leben, das ist ein Wunder! Der Vater versucht nun, das kleine
Häufchen der nach Kriegsende zurückgekehrten Juden, die auch nach dem Bekanntwerden
des millionenfachen Mordes an den europäischen Juden erfahren mussten, dass
sie unerwünscht waren, in einer Gemeinde in Detmold zu sammeln. Aber der Antisemitismus
war auch hier nicht vorbei. Wilhelm Ehrmann musste erfahren, wie deprimierend
es war, um die Rückgabe jüdischen Eigentums, auch des Eigentums der Jüdischen
Gemeinde, bei den Behörden zu kämpfen. Ihn erschreckte auch, wie die wegen
nationalsozialistischer Straftaten verurteilten Detmolder vorzeitig aus den
Gefängnissen entlassen wurden. Das war der Grund für den Entschluss, 1949
mit der Familie nach Israel auszuwandern. Und so lebt Ruth heute mit ihrem
Mann Benjamin im Kibbuz Maayan Zwi. Sie haben drei Kinder und 14 Enkel.
Wenn ich heute
an ihre große Familie in Israel denke und mir ihre Lebensgeschichte vorstelle,
fällt mir ein Satz aus der Josefsgeschichte ein: „Ihr gedachtet es böse mit
mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.“ 2. Mose 50, 20
Sein
Verbrechen war die Liebe
Franz Meyer schildert das Schicksal eines polnischen Zwangsarbeiters
Blomberg (sb). Es war ein heißer Sonmmertag. Daran erinnerten sich die vier Zeitzeuginnen, die Franz Meyer in Ehrsen-Breden befragte, genau. Ein Montag. Am 28. Juli 1941 wurde ein junger polnischer Zwangsarbeiter im Steinbruch von Ehrsen-Breden gehängt. Sein Name: Stefan Bolewski. Das einzigartige Schicksal des 29-Jährigen hat Meyer, Stadtarchivar in Bad Salzuflen, recherchiert. Montagabend berichtete er darüber anlässlich des Gedenktages für die NS-Opfer in der „Alten Synagoge“.
Sein Blomberger Kollege Dieter Zoremba hatte in der Begrüßung der leider sehr wenigen Zuhörer den aktuellen Bogen zu der inzwischen teilweise angelaufenen Entschädigung der Zwangsarbeiter geschlagen: „Viele haben keine Chance, jemals Geld zu bekommen, denn sie haben Deutschland nicht lebendig verlassen“, erinnerte er an die Menschen, die bei Luftangriffen, Arbeitseinsätzen in der Großindustrie oder im Konzentrationslager umkamen.
Einem Nazi-Verbrecher fiel auch Stefan Bolewski zum Opfer. Sein Vergehen war die Liebe.
Geboren wurde Bolewski am 2. August 1911 in einem Dorf südlich von Posen als einziger Sohn katholischer Eltern. Bei Warschau in Kriegsgefangenschaft genommen, kam er vermutlich im Januar 1940 gemeinsam mit 812 anderen polnischen Kriegsgefangenen nach Lippe, wo er in einem von 39 Arbeitskommandos in der Landwirtschaft eingesetzt wurde. Bolewski wurde zunächst im Saal der Gastwirtschaft Wellenbüscher in Breden untergebracht, im August bezog er als so genannter „Zivilarbeiter“ eine private Wohnung auf dem Hof Limberg, Ehrsen Nr. 5, seiner Arbeitsstätte.
Sein – als Kapitalverbrechen geahndetes – Verhältnis zu einer jungen, deutschen Tagelöhnerin, Mutter zweier Kinder, deren Mann an der Front war, flog Anfang 1941 auf. Ein Parteitreuer hatte das Paar verraten.
„Ich spreche hier von einem ungesühnten NS-Verbrechen, denn weder der Denunziant noch der Richter, der das Todesurteil verhängte, wurden je dafür bestraft“, erklärte Meyer.
Die Hinrichtung selbst sei offensichtlich von der Gestapo bewusst als öffentliches Spektakel inszeniert worden, um die Bevölkerung einzuschüchtern. So sei eine Gruppe von 20 polnischen Zwangsarbeitern an dem Gehenkten vorbeigeführt worden. Vor allem Schaulustige der umliegenden Dörfer – sogar Mütter mit Kindern – habe es den Zeitzeugen zufolge zum Steinbruch gezogen.
Umso erstaunlicher, dass der Fall ein halbes Jahrhundert später vielerorts totgeschwiegen wurde. Selbst im Familienkreis der Geliebten: Die kehrte nach Verbüßung einer vierjährigen Haftstrafe im Konzentrationslager Bergen-Belsen in ihren Heimatort zurück und lebte mit ihrem Mann, der aus der Kriegsgefangenschaft zurückkam, weiter. 1996 starb die Frau. Ihr jüngster Sohn hatte bis dato nichts von den Geschehnissen der Jahre 1940/41 erfahren.
Bildunterschrift: Recherchiert: Der Salzufler Stadtarchivar hat durch Nachforschungen im Staatsarchiv und Befragung von Zeitzeugen das Schicksal des polnischen Zwangsarbeiters Stefan Bolewski verfolgt.
„Lippische
Landes-Zeitung“, 30.01.2002
Soldaten
sammeln
Kriegsgräberfürsorge
Horn-Bad Meinberg. Soldaten der 3. Kompanie des Panzerbataillons 214 aus Augustdorf sammeln am Donnerstag, 31. Januar, in den Straßen der Stadt und an den Haustüren für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Die Soldaten gehören der Patenkompanie Horn-Bad Meinberg an. Mit dem Geld finanziert der Volksbund neben der Gräberfürsorge auch die Zusammenführung von jungen Menschen aus unterschiedlichen Nationen.
„Bild“,
25.01.2002
Ratsherr
hetzte gegen Schwarze
Detmold – Wegen
Volksverhetzung verurteilte das Landgericht einen Ratsherren (25) zu sechs
Monaten Haft auf Bewährung und 60 Stunden Sozialarbeit. CDU-Mann Hendrik S.
hatte in einer Kneipe behauptet: „Wir als weiße Rasse stehen über den Schwarzen.“
Außerdem: „Schwule sollte man vergasen.“ Er bestreitet die Vorwürfe bis heute,
behielt aber sein Ratsmandat. Aus der CDU ist er ausgetreten.
„Lippische
Landes-Zeitung“, 25.01.2002
Kreis-JU:
Schnelle soll gehen
Amt ruht
Detmold (mah).
Der Kreisvorstand der Jungen Union (JU) will, dass der Detmolder Ratsherr
Hendrik Schnelle die CDU-Tochter verlässt. Vorsitzender Christian Schücke
sagte, dass er das Gespräch mit der JU Detmold suchen werde. Schnelle, der
am Mittwoch wegen Volksverhetzung verurteilt worden war, ist bislang noch
stellvertretender Chef der Detmolder JU.
Deren Vorsitzender
Marius Töpper erklärte, Schnelles Amt ruhe derzeit: „Diese Lösung haben wir
einvernehmlich getroffen.“ Der Kreis-JU reicht dies aber nicht. Vorsitzender
Schücke sagte, er werde darauf drängen, dass Schnelle austritt. „Das wäre
die erste Variante.“ Ansonsten werde der Vorstand den Ausschluss beim Landesschiedsgericht
beantragen. Ein Verfahren, das auch die Landes-JU nach Angaben des Vize-Vorsitzenden
Thomas Jarzombek „sehr befürwortet“.
Schücke wunderte
sich darüber, dass Schnelle noch Mitglied der JU ist: „Er hat im vergangenen
Jahr den Parteiaustritt erklärt. Ich dachte, dazu gehört auch der Abschied
von der JU.“ Auf Kreisebene habe Schnelle keine Posten mehr inne. „Triftigere
Gründe für einen Ausschluss kann es jawohl nicht geben“, zeigte sich Schücke
von den gerichtlich festgestellten Beleidigungen entsetzt.
Der Detmolder
Töpper – Stellvertreter Schückes – sagte, er sei davon überzeugt, dass Schnelle
sich nicht fremdenfeindlich oder abfällig gegenüber Homosexuellen geäußert
habe. „Ich war an den Abenden ja mit dabei. Und ich hätte ihn zur Rede gestellt.
So etwas darf ein JU`ler sich nicht erlauben.“
„Lippische
Landes-Zeitung“, 25.01.2002
Linke
im Regen
Knapp 50 Lipper demonstrieren gegen mutmaßlichen
Neonazi
Detmold-Berlebeck (hell). “Ene mene Miste, Nazis in die Kiste”,
schallt es aus fast 50 Kehlen. Die jungen Leute sind dem Aufruf der „Antifaschistischen
Aktion“ gefolgt und haben sich am Mittwochabend im Berlebecker Hahnbruchweg
versammelt. Hier, vermuten sie, wohnt ein führender und aktiver Neonazi.
Auslöser für
die Demonstration sind die für den 2. Februar und den 2. März in Bielefeld
geplanten Aufmärsche rechter Gruppen. Sie wollen ihrereseits gegen die Ausstellung
„Vernichtungskrieg – Verbrechen der Wehrmacht 1941 – 1944“ demonstrieren.
Nach Meinung der „Antifaschistischen Aktion“ verfolgen die extremen Rechten
mit ihren Aufmärschen nicht nur das Ziel, Geschichtsrevisionismus zu betreiben,
sondern auch, die Straße zu erobern und so genannte „national befreite“ Zonen
zu schaffen – Zonen, in denen sich nur noch deutsch Aussehende frei und ungefährdet
bewegen können.
Bildunterschrift:
„Agitieren aus dem Verborgenen enttarnen“: Für dieses Anliegen gingen die
jungen Leute friedlich auf die Straße.
Dem Berlebecker,
an dessen Haus sich die Linken unter Begleitung von vier Streifenwagenbesatzungen
mit Transparenten und Trillerpfeifen versammelt haben, werfen sie vor, er
habe sich maßgeblich an der Organisation der geplanten Naziaufmärsche beteiligt.
Mit Hilfe eines Lautsprecherwagens zählten sie außerdem eine Reihe weiterer
mutmaßlicher Aktivitäten des Mannes in der rechten Szene auf. So sei er unter
anderem Gauleiter der inzwischen verbotenen Wiking-Jugend gewesen und habe
mit der ebenfalls verbotenen Nationalistischen Front zusammen gearbeitet.
Getreu dem
Motto „Wehret den Anfängen“ wollten die Antifaschisten nun die Öffentlichkeit
aufrütteln. An diesem regnerischen Abend steckten aber nur wenige Anlieger
kurz die Köpfe aus dem Fenster.
„Lippische
Rundschau“, 25.01.2002
Demonstration in Berlebeck
Sprengstoff
an V-Mann übergeben
Detmold (sts).
Etwa 30 Aktivisten vor allem aus dem linksautonomen Spektrum haben nach Polizeiangaben
am Mittwochabend in Berlebeck gegen einen dort wohnenden Mann demonstriert.
Zu Störungen sei es bei der ordnungsgemäß angemeldeten Demonstration am Hahnbruchweg
nicht gekommen.
Die Demonstranten
werfen Gregor S. (Name von der Redaktion geändert) vor, er sei ein bundesweit
agierender Neonazi. Er soll, wie zu erfahren war, seit Jahren für die Organisation
von Demonstrationen gegen die umstrittene Wehrmachtsausstellung mitverantwortlich
und bis 1993 „Gauleiter“ der mittlerweile verbotenen Wiking-Jugend gewesen
sein. Zudem habe er Kontakte zur ebenfalls verbotenen Nationalistischen Front
gehabt.
Freude am
Wehrsport
Auch für den
Staatsschutz in Bielefeld ist der Detmolder schon lange kein Unbekannter mehr.
Wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz war der damals 27-Jährige im November
1998 vom Schöffengericht Detmold zu einer Freiheitstrafe von einem Jahr auf
Bewährung verurteilt worden. Damals hatte Gregor S. sich vor Gericht als „treudeutsch“
bezeichnet.
Der Sohn eines
ehemaligen Wehrmachtsoffiziers bekundete zudem seine Liebe zu Uniformen und
militärischen Ausrüstungsgegenständen sowie seine Freude an wehrsportlichen
Übungen. Wegen seiner Zugehörigkeit zur Wiking-Jugend war der junge Mann,
der nach dem Abitur als Zeitsoldat in der Bundeswehr diente, von dieser vorzeitig
entlassen worden.
Verurteilt
worden war der Detmolder vor knapp drei Jahren, weil er einem zeitweiligen
NPD-Mitglied, ebenfalls Zeitsoldat, im August 1994 in Gütersloh einen 223
Gramm schweren TNT-Sprengkörper und einen elektrischen Sprengzünder zur Aufbewahrung
übergeben hatte. Der vermeintliche Gesinnungsfreund war allerdings inzwischen
Vertrauensmann des Militärischen Abschirmdienstes geworden – und hatte das
Treffen dem MAD verraten.
Ein gegen S.
zu einem früheren Zeitpunkt ergangenes Urteil wegen Verbreitung von Propagandamaterial
verbotener Organisationen war zum Zeitpunkt des Urteils im November 1998 noch
nicht rechtskräftig gewesen.
„Neue
Westfälische“, 25.01.2002
Schnelle
soll Junge Union verlassen
Detmold (mah).
Der Kreisvorstand der Jungen Union (JU) will erreichen, dass der Detmolder
Ratsherr Hendrik Schnelle die CDU-Tochter verlässt. Vorsitzender Christian
Schücke sagte, dass er das Gespräch mit der JU Detmold suchen werde. Schnelle,
der am Mittwoch wegen Volksverhetzung verurteilt worden war, ist bislang noch
stellvertretender Vorsitzender der Detmolder JU (wir berichteten). Deren Vorsitzender
Marius Töpper erklärte, Schnelles Amt ruhe derzeit: „Diese Lösung haben wir
einvernehmlich getroffen.“ Der Kreis-JU reicht dies aber nicht.
„Lippische
Landes-Zeitung“, 24.01.2002
Sechs
Monate für Schnelle
Volksverhetzung: Detmolder Ratsherr verurteilt
Detmold (mah).
Sechs Monate Haft auf Bewährung wegen Volksverhetzung, dazu 60 Sozialstunden
– so lautet das Urteil des Landgerichts im Berufungsverfahren gegen den Detmolder
Ratsherrn Hendrik Schnelle (früher CDU). Vorsitzender Richter Rudolf Hartl
sah es – wie schon die erste Instanz – als erwiesen an, dass sich der 25-Jährige
abfällig über Schwarze und Schwule geäußert hat. Im Gegensatz zum Amtsgericht
kam die Strafkammer jedoch zum Schluss, dass Schnelles Äußerungen in Kneipen
zumindest teilweise volksverhetzend und somit strafbar waren.
Verurteilt
wurde Schnelle für den Satz, man müsse die Schwulen vergasen wie früher die
Juden. „Herr Schnelle musste wissen, dass seine Äußerungen in der Kneipe an
die große Glocke gehängt werden“, sagte Hartl. Schnelle war damals wie heute
stellvertretender JU-Vorsitzender, und „dies ist ja auch schon was“. Dass
die Zeugin – damals Juso-Mitglied – sich erst im Vorfeld der Kommunalwahl
1999 an die Öffentlichkeit gewandt habe, sei reiner Zufaff gewesen.
Die beleidigenden
Äußerungen Schnelles über Schwarze waren nach Ansicht des Gerichtes nicht
volksverhetzend – sie seien im Kreise seiner Freunde gefallen, und die Zeugin,
eine Kellnerin, sei nicht politisch aktiv gewesen. „Da fehlte der Vorsatz“,
urteilte der Richter. Also: Keine Volksverhetzung. Er nannte das Urteil daher
einen „Teilerfolg“ für Schnelle.
Das Verfahren
war auf Antrag der Staatsanwaltschaft aufgerollt worden, weil Staatsanwalt
Diethard Höbrink der Argumentation des Amtsgerichtes nicht gefolgt war. So
wurden alle Zeugen der September-Verhandlung erneut gehört. Dazu kam eine
weitere Frau, die bezeugte, dass sich Schnelle beim Karneval in Berlebeck
abfällig über Schwarze geäußert habe.
Zeugen glaubwürdig
Schnelle selbst
wies die Anschuldigungen vehement von sich. „Sätze wie diese sind kontraproduktiv
und dumm. Wenn jemand behauptet, ich habe mich so geäußert, ist das schlichtweg
gelogen.“ Ähnlich äußerten sich seine Freunde. Themen wie Gleichstellung der
homosexuellen Ehe oder der wirtschaftliche Unterschied zwischen Afrika und
Europa seien diskutiert worden, jedoch auf sehr sachlichem Niveau. „Solche
Äußerungen kann man sich in der JU gar nicht leisten“, betonte ein Mitglied
aus Schnelles Abendgesellschaft.
Auch die Belastungszeuginnen
blieben bei ihren Aussagen. Sie wurden von der Kammer als glaubwürdig eingestuft.
„Entscheidend ist: Es gibt nicht den leisesten Grund dafür, dass die Zeuginnen
sich so etwas ausdenken. Wir haben drei Äußerungen, die sich ungefähr auf
einer Linie befinden“, so der Richter. Daher seien auch offensichtliche Widersprüche
in den Aussagen der jungen Frauen – etwa zum weiteren Kontakt mit Schnelle
nach den Kneipenabenden – nicht entscheidend.
Diese Widersprüche
hatte Schnelles Rechtsanwalt Jürgen Mankratz in den Mittelpunkt seines Plädoyers
auf Freispruch gestellt. Er hatte zudem argumentiert, dass immerhin fünf aus
der Kneipenrunde sich nicht an die Aussagen erinnern könnten: „Es ist zudem
absolut unglaubwürdig, wenn eine Zeugin sich daran erinnern will, dass Herr
Schnelle sich beim Karneval in Berlebeck abfällig über Schwarze geäußert haben
soll, andererseits aber keine Vorstellung mehr von seinem Kostüm hat.“ Immerhin
sei Schnelle damals als Punk gegangen – mit bunten Haaren und Symbolen der
Antifaschisten auf dem T-Shirt. „Im Zweifel für den Angeklagten“, betonte
der Anwalt.
Staatsanwalt
Höbrink zeigte sich mit dem Urteil zufrieden: „Die Argumentation ist vertretbar.“
Mankratz kündigte an, Rechtsmittel zu prüfen. Ein drittes Wiedersehen vor
Gericht ist wahrscheinlich. Bürgermeister Friedrich Brakemeier als Ratsvorsitzender
forderte Schnelle erneut auf, sein Mandat niederzulegen.
„Neue
Westfälische“, 24.01.2002
Schnelle
zu Bewährung verurteilt
Detmold (mah).
Der Detmolder Ratsherr Hendrik Schnelle (25, parteilos) ist gestern vom Landgericht
Detmold wegen Volksverhetzung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt
worden.
Die Strafkammer
kam wie das Amtsgericht zu der Erkenntnis, dass Schnelle sich auf infamste
Weise über Homosexuelle und Schwarze geäußert hat. „Wir als weiße Rasse sind
höher gestellt als die Schwarzen“ sowie „Man sollte Schwule vergasen wie die
Juden“ waren demnach seine Worte im Februar und September 1998. Im Gegensatz
zur ersten Instanz, die Schnelle vom Vorwurf der Volksverhetzung freigesprochen
hatte, da die Äußerungen den kleinen Kreis nicht verlassen hatten, sah die
Kammer diesen Tatbestand teilweise als gegeben. Zumindest im Falle des Schwulen-Zitates
sei der Charakter erfüllt – diese Worte seien im Beisein politisch anders
Denkender gefallen. Eine Jungsozialistin hatte mit am Tisch gesessen, an dem
ansonsten nur Mitglieder der Detmolder Jungen Union mit ihrem Vize-Vorsitzenden
Schnelle ihr Bier tranken. Diesen Posten hat Schnelle heute noch inne – während
er aus der CDU nach dem Ausschluss aus der Fraktion im September ausgetreten
war.
Das Verfahren
war auf Antrag der Staatsanwaltschaft erneut aufgerollt worden. Sie zeigte
sich zufrieden, während Schnelles Anwalt Rechtsmittel prüfen will. Er hatte
auf Widersprüche in den Zeugenaussagen gebaut und auf Freispruch plädiert.
Jura-Student Schnelle – bald steht das erste Staatsexamen an – wies die Vorwürfe
zurück.
„Lippische
Rundschau“, 24.01.2002
Teilerfolg der Staatsanwaltschaft gegen
den Detmolder Ratsherrn Hendrik Schnelle
Sechs
Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung
Detmold (sts).
Mit versteinerter Mine reagierte Hendrik Schnelle auf den Urteilsspruch der
Berufungskammer am Detmolder Landgericht: „Kein Kommentar!“ Vorsitzender Richter
Rudolf Hartl hat den 25-jährigen Ratsherrn gestern wegen Volksverhetzung zu
einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Zudem muss
der ehemalige Christdemokrat, der stellvertretender Vorsitzender der Jungen
Union (JU) Detmold ist, 60 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.
„Schwule sollte
man genauso vergasen wie damals die Juden“, soll Schnelle im Frühjahr 1998
in einer Kneipe gegenüber einer 20-jährigen Zeugin gesagt haben. Im Herbst
des gleichen Jahres soll er sich in einer anderen Gastwirtschaft gegenüber
einer Kellnerin zudem abfällig über Schwarze geäußert haben.
Das Amtsgericht
hatte den Jurastudenten im vergangenen Jahr vom Vorwurf der Volksverhetzung
freigesprochen. Die ihm vorgeworfenen Aussagen habe es zwar gegeben, so der
Richter damals. Sie seien aber nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen,
wodurch der Vorwurf der Volksverhetzung nicht erfüllt sei. Das sah Oberstaatsanwalt
Diethard Höbrink anders: Er legte Berufung ein und forderte gestern erneut
neun Monate Haft auf Bewährung für Schnelle.
Erneut versuchte
die Berufungskammer, mit Hilfe zahlreicher Zeugen herauszufinden, was vor
vier Jahren von Schnelle wirklich gesagt worden ist. Dabei stand die 20-jährige
Zeugin, 1998 bei den Jungsozialisten aktiv, im Mittelpunkt. Obwohl keiner
der anderen Zeugen den von ihr vorgebrachten Satz Schnelles über Homosexuelle
am Kneipentisch gehört haben will und manche Ungereimtheiten in ihrer Aussage
waren, glaubte ihr das Gericht. „Es ist kein Grund erkennbar, warum sie sich
das ausgedacht haben soll“, meinte der Richter. Anders bei der angeblichen
abfälligen Äußerung Schnelles über Schwarze im Herbst 1998, habe der JU-Funktionär
gewusst, so Hartl, dass er „diese fürchterliche Aussage“ gegenüber einer politisch
Andersdenkenden mache und sie so eventuell eines Tages öffentlich werde. Damit
handele es sich zumindest in diesem Falle um Volksverhetzung. Schnelle selbst
bestritt erneut, „so Dummes und Törichtes“ gesagt zu haben. Er denkt über
eine Revison nach.
„Westfalen-Blatt“,
24.01.2002
Verurteilt
wegen Volksverhetzung
Detmold (LR/sts). Der Detmolder Ratsherr Hendrik Schnelle (25), der 2001 aus
der CDU-Fraktion ausgeschlossen wurde, ist vom Detmolder Landgericht wegen
Volksverhetzung zu einer Freiheitstrafe von sechs Monaten auf Bewährung plus
60 Sozialstunden verurteilt worden. Die Berufungskammer hielt es für erwiesen,
dass er 1998 in einer Kneipe gegenüber einer Jungsozialistin erklärt habe,
man müsse „alle Schwulen vergasen wie damals die Juden“. Schnelle ist nach
wie vor stellvertretender Vorsitzender der Jungen Union Detmold.
Antifaschistische
Aktion, 23.01.2002
Schwarz-Braun
ist nicht nur die Haselnuss,
sondern
auch die Junge Union Detmold!
Redebeitrag
auf der Demonstration:
„Revisionisten
auf die Pelle rücken! Gerd Ulrich – Drahtzieher im braunen Netz“
Vor dem Landgericht
Detmold wurde heute Mittag der Antisemit, Rassist und Detmolder Ratsherr Hendrik
Schnelle zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Er hatte in einer Kneipe
wörtlich gesagt, man müsse „alle Schwulen vergasen wie damals die Juden“.
Hendrik Schnelle
ist bis heute stellvertretender Vorsitzender der Jungen Union Detmold. Laut
seiner eigenen Aussage heute vor Gericht, sieht diese Jugendorganisation der
CDU keinen Anlass, ihn auszuschliessen. So haben ihn seine Parteifreunde denn
heute auch im Prozess als Zeugen verteidigt – erfreulicherweise vergeblich!
Seit über zwei
Jahren haben wir immer wieder darauf hingewiesen, dass Hendrik Schnelle kein
Einzeltäter ist – weder in der Jungen Union – noch in der CDU. Schwarz-Braun
ist nicht nur die Haselnuss, sondern auch die Junge Union Detmold! Wir werden
dies weiter öffentlich machen!
Autonome Antifa Detmold, 21.01.2002
Revisionisten
auf die Pelle rücken!
Gerd
Ulrich – Drahtzieher im braunen Netz
In Berlebeck
bei Detmold lebt seit einigen Jahren der ehemalige „Gauleiter“ der mittlerweile
verbotenen Wiking-Jugend (WJ). Bis 1993 leitete er gemeinsam mit seinem Vater
den sogenannten „Gau Westfalen“ dieser militant-rechtsextremistischen Jugendorganisation.
Zudem befand sich die damalige Wehrsportausrüstung der WJ in seinem Besitz,
der auch von der ebenfalls verbotenen Nationalistischen Front. Mitbenutzt
wurde. Diese war an seinem jetzigen Wohnort in Berlebeck versteckt.
Seit Beginn
der (alten) Wehrmachtsausstellung „Vernichtungskrieg – Verbrechen der Wehrmacht
1941 – 1944“ organisiert Gerd Ulrich die immer wieder stattfindenden Nazi-Gegendemonstrationen
mit und nimmt auch daran teil. Dabei schaffte er es bis jetzt immer, nicht
in der Öffentlichkeit in Erscheinung zu treten. Auch bei der nun kommenden
neu konzipierten Wehrmachtsausstellung in Bielefeld beteiligt er sich aktiv
an der Organisation der faschistischen Gegenaktivitäten.
Um dieses Agitieren
aus dem Verborgenen zu enttarnen, führen wir eine Demonstration an seinem
Wohnort durch.
Raus auf die Straße!
Kein Fußbreit den Faschisten!
Demonstration
Mittwoch, den 23. Januar 2002
um 20.00 Uhr in Berlebeck / Detmold
(Parkplatz / Bushaltestelle „Kanne“)
„Neue
Westfälische“, 19.01.2002
Mit
Hochglanz gegen Rechts
Erschienen: Broschüre „Stop Lifestyle of
Hate“
über die extreme Rechte in OWL
Bielefeld (ram).
Diese Broschüre kommt zur rechten Zeit, denn: Neonazis rüsten anlässlich der
Wehrmachtsausstellung in Bielefeld zu zwei großen Aufmärschen. Dass daran
nicht nur auswärtige Gruppen beteiligt sein werden, belegt das soeben erschienene
Heft „Stop Lifestyle of Hate – die extreme Rechte in OWL“.
Auf 50 großformatigen
Seiten gibt die Hochglanz-Broschüre umfassende und erstmalig in dieser Form
zusammen gefasste Einblicke in die braune Szene Ostwestfalen-Lippes. Annelie
Buntenbach, Grüne Bundestagsabgeordnete: „Auch in Ostwestfalen haben Rechtsextreme
im Schatten der großen Ereignisse Anhänger geworben und sich eine Infrastruktur
geschaffen.“ So sei eine sprunghafte Zunahme ihrer Aktivitäten, die Neugründung
von Gruppen, Treffpunkten und Versandgeschäften zu beobachten. Und die braune
Szene hat sich verändert: „Neonazis sind nicht mehr in geschlossenen Gruppen
organisiert, sondern verbreiten sich als Lebensstil, der das Unbehagen an
der großen Politik aufgreift und neonazistische Lösungen anbietet.“
Bildunterschrift:
Titelblatt: Das Heft liefert erstmals eine umfassende Analyse der rechten
Szene in OWL
Bernhard Wagner,
der für die Antifa-West in Bielefeld für die Broschüre verantwortlich zeichnet,
beschreibt die neuen Organisationsformen als „Netzwerke bestehend aus den
so genannten Freien Kameradschaften, der rechtsradikalen Musikszene, die beide
wiederum eng mit der NPD kooperieren“. Als verbindendes Glied seien heute
weniger Programme wichtig, denn so genannte Codes, an denen sich Gleichgesinnte
erkennen, aber auch eine bestimmte Kleidung, die die Zusammengehörigkeit ausdrücke.
Gegen den rechten
Lifestyle setzen „Antifa-West“ und der Verein „Argumente und Kultur gegen
Rechts“ ihre neue Broschüre, die aufklären will, aber mit ihrer modernen Aufmachung
auch moderne Seh- und Lesegewohnheiten bedient. Wagner: „Wir wollen gerade
auch diejenigen ansprechen, die sich eben noch nicht mit dem Thema befasst
haben.“ Da könne die neue Aufmachung den Zugang zu den 13 Artikeln erleichtern.
Im Blick der Rechercheure „Stammtisch, Kameradschaft, Lifestyle“, „Die Freien
Kameradschaften“, aber auch die rechte Musikszene, die unter dem Titel „Rockmusik
fürs vierte Reich“ in einem kenntnisreichen Beitrag analysiert wird.
Antifa-West
c/o Bürgerwache
Rolandstraße 16
33615 Bielefeld
Die Broschüre kostet drei Euro, Versand gegen Vorkasse.
„Lippische
Landes-Zeitung“, 19.01.2002
Skandal-Ratsherr
Schnelle vor Gericht
Es geht wieder um Volksverhetzung
Detmold (Sam). Der frühere Detmolder CDU-Ratsherr Hendrik Schnelle steht am kommenden Mittwoch erneut vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft hat das Berufungsverfahren angestrengt, nachdem Schnelle im September vom Vorwurf der Volksverhetzung freigesprochen worden war.
Wie berichtet, kam das Amtsgericht Detmold zu der Überzeugung,
dass sich der mittlerweile parteilose Schnelle in einer Kneipe menschenverachtend
zu Schwarzen und Homosexuellen geäußert habe. Schnelle hatte gesagt: „Wir
als weiße Rasse sind höher gestellt und mehr wert als die Schwarzen.“ Und
man müsse alle Schwulen vergasen wie damals die Juden.
Dennoch verließ Schnelle den Gerichtssaal unbestraft. In der Urteilsbegründung
hieß es: Die Anti-Schwulen-Sprüche hätten den „engen Teilnehmerkreis der Gaststätte
nicht verlassen“, und die rassistischen Äußerungen seien auf Schwarze im allgemeinen
bezogen gewesen, nicht auf die in Deutschland lebenden.
Staatsanwalt Diethard Höbrink hält nun entgegen, dass sich Schnelles
Parolen gegen einen anwesenden Farbigen gerichtet hätten. Zudem sei davon
auszugehen, dass neben Schnelles direkten Gesprächspartnern auch andere Besucher
in der gut gefüllten Gaststätte seine Äußerungen zu Homosexuellen mitbekommen
haben. Laut Höbrink wurde damit der öffentliche Friede gestört – neben dem
Angriff auf die Würde bestimmter Teile der Bevölkerung eines der juristischen
Merkmale der Volksverhetzung.
Die Verhandlung,
in der alle Zeugen aus dem ersten Verfahren erneut vernommen werden, beginnt
am Mittwoch, 23. Januar, um 9 Uhr vor dem Landgericht Detmold.
„Lippische
Landes-Zeitung“, 12.01.2002
„Blut
muss fließen“
Skinheads vor Gericht
Bad Salzuflen / Detmold (gs). Eine Zufallsbegegnung mit drei Skinheads
endete für einen 45-jährigen Bad Salzufler tragisch: Der Mann wurde in den
frühen Morgenstunden des 21. August 2001 von den Schlägern niedergeprügelt
und getreten. Die Beute: 1,20 Mark Bargeld und zwei Bankkarten. Gestern mussten
sich zwei Täter vor dem Landgericht Detmold verantworten.
Das Urteil:
Wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes je fünf Jahre für den 23 Jahre alten
Lars N. und den ein Jahr älteren Frederico Q. (Namen geändert). Hinzu kommen
offene Bewährungsstrafen von einem Jahr für N. und zwei Jahren für Q. Gegen
den Dritten erst 18 Jahre alten Mann wird nächsten Monat vor dem Jugendschöffengericht
verhandelt.
Die Vorgeschichte:
Das Triohatte sich in der Justizvollzugsanstalt Herford kennen gelernt und
am Abend vor der Tat in Vlotho gezecht. Gemeinsam fuhren sie nach Bad Salzuflen,
besorgten Bier und tranken weiter. Gegen 03.30 Uhr in der Frühe saßen die
Drei auf dem Salzhof, als der durch einen früheren Unfall behinderte Kurt
O. erschien. O. wollte vorbereitende Arbeiten für die Wochenmarkt-Beschicker
verrichten, wie an jedem Markttag. Doch dazu kam es nicht mehr.
Die drei Angeklagten
schlugen den wehrlosen Mann zusammen. Sie wollten sein Geld für neues Bier.
Das Opfer erlitt eine klaffende Platzwunde an der Augenbraune, eine Gehirnerschütterung
sowie Prellungen am ganzen Körper. Dann fanden die Skinheads in der Geldbörse
die Geheimzahlen zur EC-Karte des Opfers. Versuche, Geld abzuheben, misslangen,
sie wurden dabei jedoch fotografiert und einige Tage später verhaftet.
Vor Gericht
bekannten sich die Täter offen zur Skinhead-Szene und zur Brutalität. Oberstaatsanwalt
Michael Kempkes sprach in seinem Plädoyer von einer „Agressions-Tat angetrunkener,
asozialer Krimineller“ und fordert fünfeinhalb Jahre für N. sowie fünf Jahre
und neun Monate für Q.
Selbst in seinem
Schlusswort machte N., der in früheren Verhandlungen schon wegen gefährlicher
Körperverletzung verurteilt worden war, aus seiner Gesinnung keinen Hehl.
Mit „Blut muss fließen, Knüppel müssen fliegen, ich scheiße auf die Freiheit
dieser Judenrepublik“ verabschiedete sich der Skinhead in Richtung Zelle.
Richter Michael Reineke sprach in der Urteilsbegründung von einer scheußlichen
und brutalen Tat.
„Lippische
Landes-Zeitung“, 08.01.2002
Letzte
Hoffnung für Zwangsarbeiter
Entschädigungszahlung: Mehrere hundert
Nazi-Opfer fordern bei Stadtarchiven Unterlagen
an
Von Hartmut Salzmann
Kreis Lippe.
Zwangsarbeiter – sie mussten für Nazi-Deutschland schuften. Nach dem Ende
des Zweiten Weltkrieges vergingen mehr als 50 Jahre, bis sich die deutsche
Wirtschaft zur finanziellen Entschädigung für die körperliche und seelische
Ausbeutung bereit erklärte. Seither gingen bei den lippischen Stadtarchiven
mehrere Hundert Schreiben ehemaliger Zwangsarbeiter ein – mit der Bitte um
Bestätigung ihrer Arbeitszeiten. Für die Betroffenen ist dies oft die letzte
Hoffnung. Denn über eigene Unterlagen, die für die Zahlungen benötigt werden,
verfügen die wenigsten. Und mit den Jahren schwindet die Erinnerung.
Bildunterschrift:
Jede Zeile ein Schicksal: In solchen Listen finden die lippischen Stadtarchivare
Hinweise auf ehemalige Zwangsarbeiter, die von 1939 bis 1945 in Lippe schuften
mussten.
Seit 1999 /
2000 seien in Lippe zwischen 200 und 300 Anfragen eingegangen, erklärt der
Blomberger Stadtarchivar Dieter Zoremba. „Schwerpunktmäßig aus Polen und der
ehemaligen Sowjetunion. Aus der ehemaligen Sowjetunion deshalb, weil viele
lippische Zwangsarbeiter aus der Ukraine stammten“, sagt er.
Bei erfolgreicher
Suche in den Archiven werden den ehemaligen Zwangsarbeiten schriftliche Bestätigungen
ihrer Arbeitszeit zugesandt – gegebenenfalls auch Kopien aussagekräftiger
Unterlagen.
„Mit einer
guten Portion Gespür und Geschick“
Franz Meyer
„Die Recherchen
sind aber häufig sehr zeitintensiv und nur mit einer guten Portion Gespür
und Geschick zu bewältigen. Nicht immer haben die damaligen Meldeämter beziehungsweise
Bürgermeister die Zwangsarbeiter in die Eionwohnerkartei aufgenommen“, berichtet
der Bad Salzufler Stadtarchivar Franz Meyer, Sprecher der lippischen Kommunalarchivare.
Wenig Mühe sei darauf verwendet worden, die Namen exakt auszuschreiben. Meyer:
„Und nicht immer können die ehemaligen Zwangsarbeiter nach so langer Zeit
Arbeitsort und Arbeitszeitraum genau benennen.“ Die Suche werde zudem dadurch
erschwert, dass manche Zwangsarbeiter häufiger den Arbeitsplatz wechseln mussten.
Bildunterschrift:
Ukrainische Zwangsarbeiterinnen 1943 in Blomberg: Auf der Jacke tragen sie
das Kennzeichen „Ost“. Solche Kennzeichen für Zwangsarbeiter führten die Nazis
noch vor dem „Judenstern“ ein.
So reicht es
in vielen Fällen nicht aus, die Einwohnermeldelisten durchzugehen. Auch Transportlisten
des Detmolder Arbeitsamtes, Belegstärken und Personaldaten zu einzelnen Lagern,
Strafbefehle gegen Zwangsarbeiter oder Belehrungslisten über das Verbot des
Geschlechtsverkehrs mit Deutschen können Hinweise auf die Einzelschicksale
liefern.
Wie lange dauert
eine Recherche? Zoremba: „Mal geht es ganz schnell. Es kann aber auch bis
zu anderthalb Tagen dauern.“ Erleichtert wird die Arbeit inzwischen durch
eine Daten bank für Zwangsarbeiter beim Staatsarchiv Detmold. Nach und nach
werden hier die Unterlagen der Stadtarchive und des Staatsarchivs in einer
Datei vereint.
Ob die ehemaligen
Zwangsarbeiter mit den Unterlagen aus Lippe Erfolg haben, davon erfahren die
Archivare wenig, meint Zoremba.
„Die paar
Tausend Mark sind schon eine Hilfe“
Dieter Zoremba
Aufgrund persönlicher
Kontakte zu Ex-Zwangsarbeitern in der Ukraine weiß er aber: „Die Zahlungen
laufen noch schleppend. Und gerade in der Ukraine haben sich die Lebensverhältnisse
in den vergangenen Jahren rapide verschlechtert. Da sind die paar Tausend
Mark schon eine Hilfe.“ Nach seinen „vorsichtigen Schätzungen“ beläuft sich
die Zahl der Zwangsarbeiter, die von 1939 bis 1945 in Lippe schuften mussten,
auf etwa 8000.
„Lippische
Landes-Zeitung“, 08.01.2002
Gegengewicht
zum wachsenden Antisemitismus
„Lippischer Landesverein zur Pflege der
jüdischen
Geschichte und Literatur“ existierte bis
1917
Lage (be).
Von 1899 bis 1917 existierte in der Zuckerstadt der „Lippische Landesverein
zur Pflege der jüdischen Geschichte und Literatur“. Damit beschäftigt sich
Volker Beckmann in der „Zeitlupe 2001“ (Historisches Jahrbuch für Lage).
Hintergrund
der Gründung war der wachsende Antisemitismus im Kaiserreich zum Ende des
19. Jahrhunderts. Ziel des Vereins war es, im Rahmen einer aktiven Öffentlichkeitsarbeit
die rechtliche Gleichstellung der deutschen Juden zu verteidigen und die kulturelle
Identität dieser Bevölkerungsgruppe zu stärken. „Die Ausdifferenzierung von
Interessenverbänden in den verschiedenen Konfessions-, Parteien- und Wählermilieus
war eine gesamtgesellschaftliche Erscheinung im Deutschland der 1890er Jahre“,
so Beckmann in seinem Beitrag für das historische Jahrbuch.
Besonders jüdische
Männer, die in verschiedene, der Allgemeinheit zugänglichen Gesellschafts-
und Kulturvereine integriert waren, verspürten zu der damaligen Zeit das Bedürfnis,
ihre kulturelle Identität in einer eigenen Gruppierung stärker zu akzentuieren.
Lages Bürgermeister Lünning genehmigte am 13. Januar 1899 die Satzung des
„Lippischen Landesvereins zur Pflege der jüdischen Geschichte und Literatur“.
Nach Paragraph 1 bestand der Zweck des Vereins darin, „die Kenntnis der jüdischen
Literatur zu fördern. Dem Verein als solchem liegen alle religiösen und politischen
Tendenzen fern. Die Erörterung bezüglicher Fragen ist ausgeschlossen.“
Von anfangs
zunächst 70 stieg die Mitgliederzahl auf 90 (1902). Seit 1912 bis zur Auflösung
des Vereins im Jahre 1917 gehörten ihm konstant 20 Personen an. Kaufmann Heinemann
Vogelstern (1842 – 1915) wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt. Weitere Vorstandsmitglieder
waren der Lehrer und Prediger Friedrich Saphra aus Lemgo, Zigarrenfabrikant
Moritz L. Kabaker (Lemgo) sowie Lehrer Abraham Plaut aus Detmold. Referenten
bei den regelmäßigen Vortragsveranstaltungen waren reformorientierte Rabbiner,
Lehrer und Schriftsteller, die Themen auswählten, die dem Wertsystem der sozialen
Klasse, der sie selbst und ihre Zuhörerschaft angehörten, entsprachen.
Bildunterschrift:
Leitete den Landesverein: Heinemann Vogelstein. Das Bild zeigt ihn mit seiner
Frau Bertha, geborene Frankenstein.
Nach dem Tod
des Vorsitzenden Vogelstein und dem Beginn des Ersten Weltkrieges ließ das
Interesse am Verein nach, so dass die Auflösung entsprechend der Satzung erfolgte.
„Neue
Westfälische“, 07.01.2002
Neonazis
beugen sich Demo-Verbot
1.000 Bürger zeigen in Wewelsburg und Paderborn
Flagge gegen Rechts
Von Karl Finke
Paderborn /
Büren. Die Radio-Nachricht am Samstag um 10.30 Uhr sorgte für Aufatmen in
den Reihen der Aktionsbündnisse: Das Bundesverfassungsgericht hatte noch am
späten Freitagabend das Verbot einer Neonazi-Demonstration an der geschichtsträchtigen
Wewelsburg bestätigt. 200 Personen in Wewelsburg und rund 1.000 wenig später
in Paderborn demonstrierten dennoch, setzten ein Zeichen auch zukünftigweder
hier noch dort Rechtsradikale zu dulden.
Bildunterschrift:
Flagge gezeigt: Trotz des Verbots der Nazi-Demo machten die Bürger Paderborns
deutlich, dass sie keine Nazis in ihrer Stadt dulden.
Mehrere hundert
Polizisten hielten sich in Wewelsburg wie Paderborn noch bereit zur Durchsetzung
des Verbotes, als zunächst auf dem Ex-Appellplatz des Konzentrationslagers
Wewelsburg-Niederhagen ein Bündnis um den Verein „Gedenken 2. April“ (KZ-Befreiung)
der geplanten „verabscheuungswürdigen Veranstaltung“, so Vorsitzender Michael
Brohl, die Stirn bot: „Wir lassen keine Geschichtsklitterung mehr zu.“ Das
Mahnmal im Dorf sei zum Ort für Menschen aus aller Welt geworden, die sich
gegen subtile Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit in einem vereinten Europa
einsetzen würden.
In seiner schriftlichen
Verbots-Bestätigung noch am Freitag hatte das Oberverwaltungsgericht Münster
die von Neonazis angemeldete Demonstration als „Verhöhnung der KZ-Opfer und
ihrer Hinterbliebenen“ gekennzeichnet und die bewusst gewählte Nähe zum ehemaligen
KZ und der SS-Kultstätte Wewelsburg mit dem Strafbestand der Volksverhetzung
– als „Billigung, Leugnung und Verharmlosung der dort begangenen Verbrechen“
– bewertet. Die Würdigung dürfte auch für den zukünftigen Schutz des Ortes
Bestand haben.
Gegen das Verbot
einer Ersatz-Demonstration in Paderborn waren die Neonazis erst gar nicht
gerichtlich vorgegangen. Das dort nach den Düsseldorfer Gewaltanschlägen im
Herbst 2000 gegründete Aktionsbündnis aller Parteien, Kirchen und Gewerkschaften
wie Verbände führte tausend Menschen zum Rathaus. „Darüber, dass es nicht
5.000 geworden sind, sollte niemand enttäuscht sein“, zog Bündnis-Sprecher
Günther Bitterberg Bilanz. Paderborn habe sich mit dieser Kundgebung einmal
mehr nicht als schwarze oder rote sondern bunte Stadt erwiesen. Die Polizei
spendierte nach ihrem Kurzeinsatz überschüssige Erbsensuppe.
„Neue
Westfälische“, 04.01.2002
Neonazi-Demos
erneut abgelehnt
Paderborn /
Wewelsburg (ph). Die juristischen Entscheidungen über Demonstrationen von
Neonazis am morgigen Samstag, 05. Januar, an der Wewelsburg und in Paderbornfallen
möglicherweise erst in letzter Sekunde: Nachdem das Mindener Verwaltungsgericht
das Demonstrationsverbot für die Wewelsburg bestätigt hatte, wird heute mit
einer Ablehnung beim Oberverwaltungsgericht in Münster gerechnet. Dagegen
können die Neonazis beim Bundesverfassungsgericht klagen. Zeitgleich hatte
gestern das Bielefelder Polizeipräsidium auch die für Paderborn beantragte
Demonstration der „Initiative der weißen Art“ abgelehnt. Beobachter rechen
damit, dass die Neonazis auch gegen diese Entscheidung den Rechtsweg beschreiten
werden. Ungeachtet der juristischen Auseinandersetzungen laufen in Paderborn
und Wewelsburg die Vorbereitungen zu großangelegten Gegendemonstrationen,
die in der Mittagszeit beginnen sollen und zu denen mehrere tausend Personen
erwartet werden. Daran beteiligen wollen sich u.a. Vereine, Verbände, Schülervertretungen,
die Gewerkschaften, die Kirchen und Ausländervertretungen.
„Neue
Westfälische“, 04.01.2002
Bürener
gegen Forensik-Knast
Büren (fin).
Im Bürener Ortsteil Hegensdorf hat sich eine erste Bürgerinitative gegen die
mögliche Errichtung eines Forensik-Knastes in der Ex-Natokaserne Stöckerbusch
gebildet. Die Stimmung im 1.000-Seelen-Dorf in nächster Nähe zur Abschiebehaftanstalt,
wo ein Maßregelvollzug entstehen könnte, spricht geschlossen gegen derartige
Pläne – so Ortsvorsteherin Maria Lummer. Das Land will am 16. Januar vor Ort
seine Vorstellungen erläutern.
„Neue
Westfälische“, 03.01.2002
Nazis
wollen „Straße erobern“
Bielefeld (NW). Militante Nazis aus den sogenannten Freien Kameradschaften
und die NPD in Ostwestfalen planen gemeinsam Aufmärsche gegen die Wehrmachtsausstellung,
die Endes des Monats nach Bielefeld kommt. Zu diesem Zweck haben sich nach
Erkenntnissen von Szenebeobachtern Vertreter beider Seiten mehrfach getroffen,
unter anderem im „Collegium Humanum“ in Vlotho. Die Nazis aus den Kameradschaften
werden von der NPD als Ordner gebraucht. Ziel der Rechtsextremen ist es, neben
der Demo gegen die Ausstellung auch die „Straße zu erobern“.
2001
Die
Externsteine unterm Hakenkreuz
Wie Wissenschaftler dem NS-System zuarbeiteten
Von Thorsten Engelhardt
Dörentrup / Horn-Bad Meinberg. Was waren die Externsteine und was wurde aus ihnen gemacht? Mit den europaweit bekannten Steintürmen und der Geschichte ihrer Forschung hat sich jetzt die Dörentruper Archäologin Dr. Uta Halle beschäftigt. In ihrer Habilitationsschrift beleuchtet sie besonders die großen Grabungen 1934/35 kritisch. Drei Erkenntnisse hat die Wissenschaftlerin, die am Mittwoch an der Humboldt-Universität zu Berlin habilitiert wurde, dabei herausgearbeitet: Es gibt keine Beweise dafür, dass die Steine eine germanische Kultstätte waren. Die Grabungsergebnisse wurden bewusst falsch interpretiert, und dabei handelte die Wissenschaft in vorauseilendem Gehorsam gegenüber den NS-Machthabern.
Wie weit stand die Wissenschaft unter dem Druck der Nazis, wie weit diente sie sich an, um Prestige zu erreichen und lang gehegte Forschungswünsche zu erfüllen? Eine Kernfrage vieler Disziplinen, die sich mit ihrer NS-Vergangenheit auseinandersetzen. „Als ich 1993 mit der Forschungsarbeit zu dieser Schrift begonnen habe, hatte ich das Bild im Kopf, dass die Wissenschaftler unter politischem Druck standen, und dadurch die Fehldeutungen hervorgebracht wurden. Doch beim Aktenstudium zeigte sich, dieser Druck war nicht da. Breitwillig wurden Ideen entwickelt und an die Parteigrößen herangetragen“, geht Uta Halle mit ihrer Disziplin ins Gericht.
Bildunterschrift: Germanisches Heiligtum: Grabungsleiter Julius Andree in NS-Uniform vor den Externsteinen.
Sie stützt sich dabei auf das Fallbeispiel der Externsteine, das im Detmolder Staatsarchiv gut dokumentiert ist. Der Detmolder Wilhelm Teudt, der von heutigen Wissenschaftlern als völkisch orientierter Laienforscher eingeordnet wird, vertrat Anfang der 30er Jahre die Theorie, die Externsteine seien ein germanisches Heiligtum gewesen, das von Karl dem Großen zerstört worden sei. Damit fand er Anklang beim Reichsführer der SS, Heinrich Himmler. Auf Teudts Theorien hin wurden 1934/35 große Ausgrabungen vorgenommen. Grabungsleiter war der Münsteraner Professor Julius Andree. Laut Halle hat Andree nach der ersten Grabungskampagne 1934 Teudts Theorie voll bestätigt. „Der Nachweis wurde aber nur schriftlich geführt, ohne Darstellung des Fundmaterials. Außerdem war die Befunddarstellung nur notdürftig“, sagt die Wissenschaftlerin. 1935 habe es dann einen Umschwung gegeben. Nachdem Hitler Karl den Großen als Reichseiniger bezeichnet hatte, habe Andree seine Interpretation geändert. „Jetzt sollte an den Externsteinen ein fantasievoller, aber nicht bewiesener Totenkult stattgefunden haben, der große Ähnlichkeit mit den NS-Feiern zum Tag des Marsches auf die Feldherrnhalle am 9. November 1923 hatte“, sagt Uta Halle. Ihr Urteil: „Hier war mehr vorauseilender Gehorsam im Spiel, als zu erwarten war.“ Eine Erklärung für den Opportinismus hat sie nicht. Es spreche aber viel dafür, dass es den Wissenschaftlern nicht um die „reine Lehre“ ging, sondern sie vor allem ihre Forschungen durchführen wollten. Im Vordergrund habe wohl der Wunsch gestanden, Werke zu schaffen, auf die die Kollegen noch Jahrzehnte lang zurückgreifen müssten.
„Nichts sächsisches,
nichts fränkisches, nichts germanisches“
DR. UTA HALLE
Dabei sei kein starker politischer Druck auszumachen. Halles Beleg: Andrees Buch über die Grabungen, das er 1936 veröffentlicht, wird 1943 massiv von einem anderen Wissenschaftler kritisiert. „Dem ist nichts passiert“, so Uta Halle. Und auch Andree selbst habe keinen Schaden davon getragen, obwohl er 1936 nach einem Publikationsverbot aus anderen Gründen an Himmler schrieb, er, Andree, habe vom Reichsführer SS keine Befehle entgegen zu nehmen.
Bildunterschrift: Ort der Propaganda: Die Nazis hatten mit den Externsteinen große Pläne. Sie wollten sie zur Weihestätte ausbauen und ein Freilichtmuseum errichten. Der Krieg verhinderte das. Hier eine Führung für Mitglieder des Reichsarbeitsdienstes durch Ulrich von Motz.
Die Äußerungen ihrer eigenen Zunft nach 1945, die Archäologen hätten mit der SS zusammengearbeitet, um größeren Schaden von der Wissenschaft abzuwenden, nennt Halle eine Legendenbildung. „Es war nicht der durch die Pression geschürte Opportinismus, der die Wissenschaftler zu ihrer Verhaltensänderung zwang, es war die aktive Teilnahme der Wissenschaftler am politischen System.“ Diese Legendenbildung werde erst jetzt aufgearbeitet. Mit ihrer Habilitationsschrift will die Privat-Dozentin einen Startpunkt dazu geben. Und was haben die Grabungen nun tatsächlich ergeben? Uta Halle hat das Material neu bewertet. Ein vermeintlicher „Kultschacht“ ist ihrer Meinung nach Teil einer Entsorgungsanlage des 17. Jahrhunderts. Alle Metall- und Keramikfunde deuten auf das Hoch- und Spätmittelalter (1000 bis 1400) sowie die Neuzeit (17. bis 19. Jahrhundert) hin. Darunter sind Hufeisen und Armbrustbolzen. „Das sind Indizien für Adel, eventuell hat es einen kleinen Adelssitz auf den Externsteinen gegeben. Aber es gibt nichts sächsisches, nichts fränkisches, nichts germanisches in den Funden. Es gibt keine Anzeichen für einen Opferplatz oder irgendwelche Aktivitäten in der Zeit Karl des Großen.“ Sehr wohl hätten sich aber Artefakte gefunden, die darauf schließen lassen, dass sich 9000 vor Christus Rentierjäger bei den Steinen aufgehalten hatten. „Das ist eine kleine Sensation für die Gegend.“
Bildunterschrift: Dr. Uta Halle
Uta Halle wurde
1956 in Detmold geboren. Sie promovierte 1989 an der Universität Hamburg
und war von 1993 bis 1996 Stipendiatin des Lise-Meitner-Programms, das Wissenschaftlerinnen
eine Habilitation ermöglicht. Sieben Jahre schrieb und forschte sie für
ihre Habilitationsschrift, die 600 Seiten umfasst und voraussichtlich 2002
als Buch veröffentlicht werden soll. Am Mittwoch hielt die Privat-Dozentin
ihre Antrittsvorlesung an der Humbold-Universität zu Berlin.
November
2001
„Lippische
Landes-Zeitung“, 17.11.2001
Vernichtende
Gedanken
Stadtarchivar Dieter Zoremba präsentiert
Ausstellung über Feldpostbriefe
Blomberg (an).
Sie war im Krieg die Nabelschnur für deutsche Soldaten an der Front: Über
die Feldpost konnten sie mit Daheim in Kontakt bleiben. Der Blomberger Stadtarchivar
Dieter Zoremba hat ein einzigartiges Beispiel für einen solchen Briefkontakt
ausgegraben: 350 Feldpostbriefe eines Blombergers an seine Verlobte von 1939
bis 1945. Die daraus entstandene Ausstellung im Bürgerhaus wirft interessante
Schlaglichter auf die vernichtende Gedankenwelt des Fritz K.
„Der Mann heißt
weder Fritz noch K.“, betont Zoremba. „Es geht nicht um die Person des Autors,
sondern darum, wie ein einzelner Soldat den Krieg erlebte, welche Befürchtungen
und Hoffnungen er hatte.“ Wie der kurze Lebenslauf beweist, war Fritz K. ein
Mensch wie du und ich. Und er war in hohem Grade infiziert mit nationalsozialistischem
Gedankengut.
Sein Glauben
an den Führer und den Sieg des deutschen Volkes war unerschütterlich, und
selbst die Nachrichten aus Stalingrad konnten ihn nicht vom Gegenteil überzeugen,
wie die Ausstellung eindrucksvoll zeigt. Noch kurz vor Kriegsende 1945 hofft
Fritz in seinem letzten erhaltenen Brief, „dass der Führer dem Vormarsch der
asiatischen Steppenwölfe auf deutsches Land Einhalt gebieten“ möge. Judenhass
und Rassismus sind unverkennbar: Fritz K. lässt sich unter anderem über die
„verlausten Untermenschen“ aus und meint damit die Russen, von denen er und
seine Kameraden sich durchfüttern lassen. Die Briefe zeigen auch deutlich,
dass Fritz K. sehr wohl über die Massenvernichtungen von Juden informiert
war. Dennoch: „Fritz K. war keine Nazi-Größe, sondern ein ganz normaler Mann
seiner Zeit“, betont Dieter Zoremba. Und obwohl die Briefe die Meinung eines
Einzelnen wiederspiegeln und keineswegs repräsentativ sind, haben andere wie
Fritz K. gedacht: „Er war beileibe kein Einzelfall“, weiß Zoremba. „Wenn man
das liest, kann man vielleicht verstehen, warum sich 1939 nicht mehr Deutsche
gegen den Vernichtungskrieg gewehrt haben.“ Und es unterstützt Zorembas These,
dass für die Gräueltaten des Nationalsozialismus nicht nur eine Handvoll Generäle
und Verführer verantwortlich waren, sondern auch der Rassismus und Antisemitismus
im Kopf der einfachen Menschen.
Die Ausstellung
stellt hohe Ansprüche an den Besucher: Sie enthält kein einziges Foto. Doch
wer sich darauf einlässt, die Briefausschnitte zu lesen, wird ein authentisches
und sehr anschauliches Bild jener Zeit vorfinden. Dieses Gemälde ist farbiger,
als es Fotografien sein könnten: Die Sehnsucht des Fritz K. nach Hause, seine
Kampfeslust und die Hoffnung, endlich vom friedlichen Brückenkopf an die echte
Front zu kommen, aber auch die Sorge um die Daheimgebliebenen findet sich
in und zwischen den Zeilen. Als Fritz K. von den Luftangriffen der Briten
auf Hannover hört, wünscht er sich ein Endes des Kampfes im Osten herbei,
damit wir dem „Tommy mal aufs Dach steigen können“.
Alles in allem
eine wichtige Ausstellung, deren Besuch Pflicht für Menschen jeden Alters
sein sollte. Sie ist täglich im Bürgerhaus von 14 bis 18 Uhr geöffnet, für
Schulklassen sind auch Sondertermine vereinbar.
„Lippe aktuell“, 17.11.2001
Demonstration für den
Frieden
Detmold.
Auf Initiative des „Antifaschistischen Arbeitskreises Detmold“ haben sich
engagierte Einzelpersonen aus der Friedensbewegung in Detmold getroffen und
beschlossen, am Samstag, 24. November um 11 Uhr, Bruchberg, zu einer Demonstration
unter dem Motto „Frieden jetzt!“ auf zu rufen.
Trotz
der aktuellen Entwicklung in Afghanistan wird befürchtet, das – wie auch von
US-Präsident Bush angekündigt – der Krieg „lang andauert“, die kriegerischen
Auseinandersetzungen also noch längst nicht beendet sind.
„Wir
halten nach wie vor friedliche Mittel zur Konfliktlösung für die einzig richtige
Form um Probleme wie beispielsweise auch den Terrorismus erfolgreich zu bearbeiten:
nur wenn man die Ursachen des Hasses, die sozialen Probleme in den armen Ländern
wie z.B. Afghanistan angeht, wird man ein Stück voran kommen und auf Dauer
Gewaltakte verhindern“, so heißt es im Aufruf zur Demonstration.
Wieder
einmal haben die Bombenangriffe gezeigt, dass nicht – wie beabsichtigt – die
Schuldigen für die Attentate in New York getroffen wurden, sondern vor allem
hunderte von Menschen der zivilen Bevölkerung Afghanistans.
Durch
Bomben und Minen wird neues Leid, wird neuer Schmerz erzeugt, der wiederum
zu neuem Hass und neuen Gewalttaten führen kann. So dreht sich die Gewaltspirale
weiter, anstatt etwas für den Frieden und eine gerechtere Welt zu erreichen.
„Warum
begegnet man den verbrecherischen Anschlägen vom 11. September nicht mit Mitteln
des Rechts, der Vernunft, des Augenmaßes und der Weitsicht? Wie zivilisiert
ist zivilisierte Welt“, so Volker Wiemann vom Antifaschistischen Arbeitskreis
Detmold.
„Wir wollen mit unserer Demonstration in Detmold zeigen, dass es
Menschen in Lippe gibt, die weder mit dieser Kriegslogik noch mit einem Einsatz
der Bundeswehr in diesem Krieg einverstanden sind“, so Wiemann abschließend.
„Antifaschistischer Arbeitskreis“, 14.11.2001
Der Bayer-Konzern und
seine mögliche Verstrickung in Kriege
Auf
Einladung des Antifaschistischen Arbeitskreises Detmold in Zusammenarbeit
mit der „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ (CBG) wird Axel Köhler-Schnura,
Düsseldorf, am Freitag, 23.11. um 20.00 im ibz, Elisabethstraße 8, Detmold
über den Bayer-Konzern und die Menschenrechtsverletzungen in seiner 125-jährigen
Geschichte berichten.
Vor
über 20 Jahren wurde auf Initiative der AnwohnerInnen des Bayer-Werkes in
Wuppertal die inzwischen weltweit wirkende CBG gegründet. Der Mitbegründer
Axel Köhler-Schnura wird in seinem Vortrag u.a. auf die Vorläuferfirma des
Bayer-Konzerns, die IG Farben, eingehen. Diese stellten in der Nazi-Zeit das
Gas Zyklon B her, das in den Vernichtungslagern zur Ermordung von Millionen
JüdInnen und GegnerInnen der Nazis eingesetzt wurde. Bayer weist bis heute
eine Mitverantwortung für dieses Verbrechen und für eine angemessene Entschädigung
von ZwangsarbeiterInnen zurück.
Heute
leiden unter Bayer vor allem ArbeiterInnen der Zweigfirmen in Billiglohnländern,
wo außerdem hochgiftige Abfälle des Konzerns „entsorgt“ werden.
Am
Kongo-Krieg um Bodenschätze ist der Konzern ebenfalls beteiligt.
Der
Lipobay-Skandal dieses Sommers ist unvergessen.
Nützt
Bayer der Krieg gegen Afghanistan? Diese und andere Fragen wird der Referent
in der sich anschließenden Diskussion gerne beantworten.
Auch
bei der Demonstration mit dem Motto – „Frieden jetzt!“ – am Samstag, 24.11.
um 11.00 Bruchberg wird Axel Köhler-Schnura mit einem Redebeitrag vertreten
sein.
„Lippische
Landes-Zeitung“, 10.11.2001
Mitreißende
Klänge
Antifaschistischer Arbeitskreis feiert sein
20-jähriges Bestehen
Detmold. 20
Jahre ehrenamtliches Engagement in einer Bürgerinitiative sind schon ein Grund
zum Feiern, zumal wenn dies ein Eintreten für Frieden und Toleranz, gegen
Rassismus und Neonazismus in Detmold bedeutet. Der „Antifaschistische Arbeitskreis
Detmold“ lädt darum alle zur Feier in die alte Pauline ein.
Um den runden
Geburtstag zu begehen, tritt am heutigen Samstag, 20. November, die Gruppe
„AR-Chaos“ im Kommunikationszentrum an der Bielefelder Straße 3 auf. Bekannt
ist AR-Chaos für seine ungewöhnlichen Musikinstrumente und seine Musik aus
drei Kontinenten. „Gerade angesichts der aktuellen Diskussion um Rassismus
und Neonazismus bietet sich hier eine gute Möglichkeit, Musik anderer Länder
und Kontinente vorurteilsfrei zu begegnen“, heißt es aus dem Arbeitskreis.
Zu neuartigen
und mitreißenden Klangstrukturen verbindet die Gruppe Instrumente aus drei
Kontinenten. Die Improvisation auf unterschiedlichen Musikinstrumenten ist
in ihrer kulturübergreifenden Prägung unverwechselbar. Die teilweise selten
zu hörenden Musikinstrumente – wie das australische Didgeridoo – versprechen
ein eindrucksvolles Klangerlebnis. Die Künstler verschiedener musikalischer
Herkunft werden zur Entstehung und Bedeutung der einzelnen Stücke etwas sagen,
so dass das Verständnis für die unterschiedliche Herkunft der Musik geweckt
wird. Die Veranstalter versuchen nicht nur Vorurteile über den Genuss von
Musik anderer Herkunft abzubauen, sondern auch Verständnis für die Menschen
anderer Herkunft oder Hautfarbe zu wecken. Begleitend wird darum ein Informationsstand
über die Möglichkeiten des Engagements für ein friedliches Zusammenleben aller
Menschen und gegen Rassismus in Detmold und anderswo aufgebaut. Alle, die
sich darüber hinaus engagieren wollen, sind zu den regelmäßig mittwochs um
20 Uhr im ibz stattfindenden Treffen des Arbeitskreises herzlich willkommen.
„Lippische
Landes-Zeitung“, 10.11.2001
Leserbriefe
Ein
wichtiges Stück Detmold
Überlegungen der CDU zur „alten Pauline“
LZ vom 2. November
Die CDU möchte
das „städtebauliche Filetstück“ an der Bielefelder Straße lieber anders nutzen
– vielleicht gewinnbringender, als es seit 20 Jahren genutzt wird.
Dort befindet
sich ein Jugendzentrum, das einzige im Kern der Stadt, in dem sich viele Jugendliche
abends – gerade an Wochenenden – aufhalten. Es unterscheidet sich von anderen
vor allem dadurch, dass es von den Nutzern selbst verwaltet und – bis auf
größere bauliche Maßnahmen – auch selbst instand gehalten wird. Erst in diesem
Sommer wurde im Haus gründlich renoviert, nur der Einbau der Heizung und der
Toiletten blieb als städtische Maßnahme übrig. Die Jugendlichen identifizieren
sich nämlich mit ihrer „alten Pauline“.
Den inhaltlichen
Schwerpunkt des Hauses sehen sie einerseits in Durchführung und Förderung
kultureller und politischer Aktivitäten, andererseits ist es ein Ort der zwanglosen
Begegnung ohne Konsumzwang und gesellschaftliche Einengung.
Hier treten
Jugendbands aus der Stadt und Umgebung auf und finden Räume zum Proben, hier
wird alternatives Theater gespielt. Politische Seminare finden ebenso statt
wie Vorträge oder Filmvorführungen zur Zeitgeschichte und zu gesellschaftlichen
Themen oder politischen Fragen unserer Zeit.
Aber hier trifft
man sich auch ganz einfach zum Reden und Lachen, isst selbst gemachte Salate
und Aufläufe, trinkt ein paar Gläschen und fühlt sich wohl in der vertrauten
„Pauline“-Atmosphäre.
Dieses Jugendzentrum
kann man nicht einfach woanders hinsetzen! Es gehört in die Innenstadt und
nicht an den Stadtrand. Und die, die es häufig besuchen, lieben es und begreifen
es als ein wichtiges Stück von Detmold.
Heike Driemeier-Lenhard,
Bachstraße 11, Detmold
„Lippe
aktuell“, 07.11.2001
Dokumentation
Heimatkreisgemeinschaft
Spende für „Zentrum gegen Vertreibungen“
Lemgo. Die Heimatkreisgemeinschaft
Kolmar (HKG) hat kürzlich bei einem Treffen in Lemgo 600 Mark für ein geplantes
Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin gespendet. Weiterer Tagungspunkt war
das geplante öffentliche Ausstellen von vorhandenen Exponaten aus dem ehemaligen
Kreis Kolmar.
Das mit einer
Spende der HKG bedachte Zentrum gegen Vertreibungen soll in Berlin errichtet
werden. Zu den Spenden hat Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach aufgerufen.
In einem Brief fordert sie alle Menschen zur Mithilfe auf, „dass Geschichte,
Kultur und Leidensweg schuldloser Kinder, Frauen und Männer in dem vom Bund
der Vertriebenen (BdV) auf den Weg gebrachten Zentrum gegen Vertreibungen
in Berlin erfahrbar werden“.
Das Zentrum werde
der Aufarbeitung und Dokumentation dieses einschneidenden Teils gesamtdeutscher
und europäischer Geschichte dienen und mit Ausstellungen für die Öffentlichkeit
zugänglich sein. „Zugleich soll es Mahnung sein, Vertreibungen weltweit entgegenzuwirken,
sie zu ächten und die Völkergemeinschaft zu sensibilisieren“, heißt es weiter
in dem Aufruf Steinbachs, die zugleich Präsidentin des BdV ist.
Spenden können
auf das Konto ... bei der ... Bank mit dem Verwendungszweck „Projekt Zentrum
gegen Vertreibungen“ eingezahlt werden. Für das Zentrum gebe es auch eindeutige
Zusagen mehrerer Ministerpräsidenten, das Vorhaben finanziell zu unterstützen.
Die HKG ist ein
Zusammenschluss von ehemaligen Bewohnern des Kreises Kolmar im heutigen Polen
(und deren Nachkommen), die dort bei Kriegsende vertrieben wurden. Sie treffen
sich regelmäßig in Lemgo als Partnerstadt, um ihrer Heimat zu gedenken und
das Erlebte aufzuarbeiten.
Im kommenden Jahr
soll erstmals eine offizielle Delegation der HKG zu einem Treffen mit offiziellen
Vertretern aus dem heutigen Kreis Kolmar zusammenkommen.
„Lippe
aktuell“, 03.11.2001
Jürgen von Olberg übt deutliche Kritik an
Bürgermeister Brakemeier
CDU
will Haushalt nicht mittragen
( ... ) einen neuen Standort für die „alte
Pauline“ zu finden ...
Detmold (pas).
CDU-Fraktionschef Jürgen von Olberg hat eine Entdeckung gemacht: In den vergangenen
Jahren sei regelmäßig weniger Geld ausgegeben worden als ursprünglich von
der Kämmerei vorgesehen und vom Rat verabschiedet. Dazu habe er einfach die
Haushaltspositionen mit dem tatsächlichen Rechnungsabschluss verglichen. Verblüffendes
Ergebnis: im Jahr 1999 wurden 14 Millionen Mark weniger ausgegeben, im Jahr
2000 gar 24,7 Millionen Mark.
Aus diesem
Grund will die CDU – so das Ergebnis ihrer Klausurtagung – den Haushaltsentwurf
für das kommende Jahr nicht mittragen. Der sieht eine Neuverschuldung von
rund 12,5 Millionen Mark vor. Und das, so von Olberg, sei entschieden zu hoch.
Mittragen könnten sie allenfalls die in der mittelfristigen Planung vorgesehene
Summe von 8,7 Millionen Mark.
Das aber heißt:
rund vier Millionen Mark müsste der Kämmerer noch einmal einsparen. Kein Problem,
meint der Fraktionschef. Zum einen gebe es das regelmäßig zu viel veranschlagte
Geld, zudem gebe es Haushaltsreste, die sich allein im Jahr 2000 auf 48,4
Millionen Mark beliefen.
Außerdem ließen
sich durch Umschichtungen 1,5 Millionen Mark einsparen. Denn: das Land gibt
ab dem kommenden Jahr den Städten und Gemeinden eine pauschale Schulförderung.
Und die belaufe sich im kommenden Jahr auf rund 3,28 Millionen Mark, was einen
Überschuss von rund 1,5 Millionen Mark bedeute. Von Olberg forderte die Fachbereichsleiter
auf, weitere Sparvorschläge für das kommende Jahr zu machen, damit sie weitere
2,5 Millionen Mark einsparen.
Etwas mehr
Geld möchte die CDU-Fraktion dafür den Detmolder Kultur- und Gesangsvereinen
zukommen lassen: „Es ist ein Witz, dass etwa der Mandolinenverein jährlich
200 Mark erhält, das Kulturzentrum „alte Pauline“ dagegen 10.000 Mark“, meinte
von Olberg. Er sprach sich dafür aus, mittel- bis langfristig einen neuen
Standort für die „alte Pauline“ zu finden, damit man das „städtebauliche Filetstück“
an der Bielefelder Straße direkt gegenüber der Sparkassenzentrale anders nutzen
könne.
Von Olberg
reagierte auch auf die in allen Printmedien deutliche Kritik an der Art, wie
die Fraktionen in der jüngsten Ratssitzung mit den Ergebnissen des Artur-Andersen-Gutachten
umgegangen seien. Hätte man die vom Bürgermeister Friedrich Brakemeier (SPD)
erarbeitete Vorlage zum Immobilienmanagement abgestimmt, hätte sich der Bürgermeister
„fürchterlich blamiert“. Denn mit Ausnahme der SPD empfanden alle Fraktionen
die Vorlage für absolut unausgegoren. Darum habe man jetzt den Auftrag alle
offenen Fragen bis zum kommenden Sommer zu klären.
Die Vorarbeit
des Bürgermeisters habe jedoch eines erneut deutlich gemacht, dass er nicht
in der Lage sei, eine Verwaltung zu führen: „Nur ein exzellenter Repräsentant
der Stadt zu sein und alte Damen beim AWO-Tanztee zu begleiten, das kann es
alleine nicht sein.“
Oktober
2001
„Neue
Westfälische“, 31.10.2001
Millionenfache
Folter in der Türkei beklagt
Bielefeld (nw).
„Einerseits lädt die Regierung uns zum runden Tisch für Menschenrechte ein,
andererseits droht sie damit, unser Behandlungszentrum für Folteropfer zu
schließen.“ So beschreibt der Vorsitzende der türkischen Menschenrechtsstiftung
TIHV, Yavuz Önen, die zwiespältige Haltung der türkischen Führung. Vor 60
Zuhörern, überwiegend männliche Türken, sprach er jetzt in Bielefeld auf Einladung
des Kultur- und Solidaritätshauses.
Etliche der
Besucher sind Folter-Opfer und gehören zu der Gruppe, die seit 1980 die Türkei
wegen politischer Verfolgung verlassen mussten. Yavuz Önen berichtete über
die Arbeit seiner Organisation. Die Menschenrechtsstiftung behandelt und rehabilitiert
nach seinen Worten seit 1990 Folteropfer. 6.000 Menschen seien seitdem in
den fünf Behandlungszentren (Ankara, Istanbul, Izmir, Adana und Diyarbakir)
betreut worden.
„Dies ist nur
ein Bruchteil der Opfer“, schätzt der 63-jährige gelernte Architekt. Man müsse
von etwa einer Millionen Menschen ausgehen, die seit 1980 gefoltert worden
seien. Die türkischen Ärzte sprächen nur von „einem Problem für die Volksgesundheit.“
Der ehemalige politische Häftling weiter: „Wir bilden Ärzte aus, damit sie
alternative Gutachten für die türkischen Gerichte erstellen. Denn die Folterer
müssen angeklagt und verurteilt werden.“ Die Menschenrechtler stünden unter
Druck, so Önen. Der Gouverneur des Ausnahmezustandsgebietes in Diyabakir drohe
mit der Schließung des Behandlungszentrums. 342 Patientenakten seien beschlagnahmt
worden.
Bildunterschrift:
Menschenrechtler: Yavuz Önen schilderte die Lage in der Türkei.
„Neue
Westfälische“, 30.10.2001
Fall
Schnelle erneut vor Gericht
Detmold (sam).
Die verächtlichen Äußerungen des früheren Detmolder CDU-Ratsherrn Hendrik
Schnelle (jetzt parteilos) über Farbige und Homosexuelle beschäftigen bald
die Berufungskammer des Landgerichts Detmold. Die Staatsanwaltschaft hat Revision
beantragt, weil sie – anders als das Amtsgericht in seinem Urteil vom 14.
September – den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt sieht. Schnelle hatte
Zeugen zufolge in einer Gaststätte erklärt, die weiße Rasse sei „mehr wert
als die Schwarzen“. Zudem soll er gefordert haben, alle Schwulen zu „vergasen
wie damals die Juden“.
„Lippische
Landes-Zeitung“, 30.10.2001
Fall
Schnelle wird neu verhandelt
Staatsanwalt hält an Vorwurf der Volksverhetzung
fest
Von Hartmut Salzmann
Detmold. Der
Fall Hendrik Schnelle muss neu verhandelt werden – und zwar vor dem Detmolder
Landgericht. Oberstaatsanwalt Diethard Höbrink erklärte gestern auf Anfrage,
dass er Berufung gegen den Freispruch vom Vorwurf der Volksverhetzung einlegen
werde. Der parteilose Ratsherr Schnelle, früher CDU, hatte am 14. September
unbestraft das Amtsgericht verlassen dürfen, obwohl richterlich festgestellt
worden war, dass er sich menschenverachtend zu Schwarzen und Homosexuellen
geäußert hatte.
Rückschau:
Schnelle soll im Februar 1998 in einer Gaststätte gesagt haben: „Wir als weiße
Rasse sind höher gestellt und mehr wert als die Schwarzen. Die Schwarzen haben
nichts auf die Beine gestellt.“ Im Herbst 1998 dann die Verbalattacke gegen
Homosexuelle: Man müsse alle Schwulen vergasen wie damals die Juden.
Mit der Begründung,
die Anti-Schwulen-Sprüche hätten den „engen Teilnehmerkreis der Gaststätte“
nicht verlassen, sah Richter Martin van der Sand den Tatbestand der Volksverhetzung
nicht erfüllt. Zudem hätten sich die Äußerungen vom Februar 1998 auf Schwarze
allgemein bezogen, nicht auf die in Deutschland lebenden. Das Urteil zog bundesweite
Proteste nach sich.
„Der Richter
hat Feststellungen getroffen, die wir so nicht teilen können“, sagte Staatsanwalt
Höbrink gestern auf Anfrage. Er ist sehr wohl der Auffassung, dass sich Schnelles
Parolen konkret gegen Schwarze in Deutschland gerichtet haben. Seine Begründung:
Eine Belastungszeugin hat laut Höbrink in der Kneipe zu Schnelle gesagt, dass
sie eine Beziehung mit einem dort anwesenden Schwarzen gehabt habe. Daraufhin
seien die Aussagen gefallen. „Es ist also davon auszugehen, dass sich Herr
Schnelle auf diesen Schwarzen bezogen hat und damit auch auf die in Deutschland
lebenden“, so der Staatsanwalt.
Auch bei der
Bewertung von Schnelles Äußerungen zu Homosexuellen widerspricht Höbrink Richter
van der Sand: „Diese Äußerungen sind in einer gut besuchten Kneipe getroffen
worden. Es ist also damit zu rechnen, dass andere Gäste das mitbekommen haben.“
Der Staatsanwalt geht davon aus, dass dadurch der öffentliche Friede gestört
wurde – neben dem Angriff auf die Würde bestimmter Teile der Bevölkerung eines
der juristischen Merkmale der Volksverhetzung.
Die Akten sind
zur Berufungskammer des Landgerichts Detmold gegeangen. Diese muss nun einen
Termin für die Neuverhandlung ansetzen. Laut Staatsanwalt Höbrink werden Schnelle
selbst sowie alle Zeugen noch einmal vernommen werden.
„Antifaschistische
Gruppen Osnabrück“, 25.10.2001
Wichtige
Mitteilung
... akzeptierenden Treffpunkt für Nazis
etabliert hat ...
Sehr geehrte
Damen und Herren,
hiermit wollen
wir Sie darauf aufmerksam machen, dass sich in Osnabrück ein von der Stadt
und Polizei akzeptierenden Treffpunkt für Nazis etabliert hat. Es handelt
sich hierbei um einen in der ev. Margaretengemeinde befindenden Jugendkeller
(Wasserwerkstr. 77a, Voxtrup), die diesen der Stadt zur Verfügung stellt.
Von zwei städtischen
Sozialarbeitern betreut treffen sich hier jeden Donnerstag bis zu 60 Nazis,
u.a. von der vor einem Jahr gegründeten sogenannten „Kameradschaft Teutoburger
Wald“ (parteiloser Zusammenschluss von Rechtsextremen) und Mitglieder der
„Jungen Nationaldemokraten“ (JN – Jugendorganisation der sich in der Verbotsdiskussion
befindenden NPD). Des weiteren wird der seit Jahren bestehende Treffpunkt
von der Polizei beobachtet und regelmäßig besucht.
Obwohl der
NPD-Kreisverband schon lange in Osnabrük existiert, kann jetzt sowohl eine
quantitative als auch qualitative Steigerung der Nazi-Aktivitäten beobachtet
werden. Es wurde zweimal versucht antifaschistische Veranstaltungen in Glandorf
und Lengerich anzugreifen. So trafen sich am 23.08.2001 ca. 50 – 60 Nazis
am Jugendkeller, um geschlossen nach Glandorf zu fahren, wo ein von dem „Präventionsrat
Glandorf“ organisierten Vortrag über rechtsextreme Strukturen stattfand. Nur
durch Sperrung der Zufahrtsstraßen durch die Polizei konnte der Angriff verhindert
werden. Außerdem organisieren JN und die „Kameradschaft Teutoburger Wald“
regelmäßig Informationsstände im Landkreis Osnabrück.
Es darf nicht
sein, dass Nazis von der Stadt bzw. Kirche Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt
bekommen, was übrigens nicht nur in Osnabrück der Fall ist, die als Anlaufstelle
für Sympathisanten dienen und wo rechte Ideologie geschürt und verbreitet
wird.
Damit das staatlich
geförderte und unterstützte Treiben der Nazis endlich ein Ende hat bzw. ihnen
durch das Wegnehmen der Räume erschwert wird, fordern wir Sie auf, Ihren Unmut
gegenüber den Verantwortlichen zu äußern.
Im folgenden
nun zwei Telefonnummern von zwei Verantwortlichen, bei denen Sie sich informieren
oder Ihren berechtigten Ärger Luft machen können.
Torsten Johannes, Sozialarbeiter des „Treffs“: 0541 / 323 22 79
Hans-Georg Weisleder, Stadt-Jugendpfleger: 0541 / 323 41 93
Vielen Dank!
Antifaschistische
Gruppen Osnabrück
Kontakt:
c/o Antifaschistische Aktion Osnabrück
Alte Münze 12
49074 Osnabrück
„Lippische
Landes-Zeitung“, 02.10.2001
Erzählcefé
mit Soldatinnen
Detmold-Hiddesen.
„Frauen an die Waffe“ lautet das Thema beim Erzählcafé im Wohnstift Augustinum.
Rekrutinnen aus der Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne in Augustdorf diskutieren
ab 16 Uhr mit Bewohnern und interessierten Gästen.
„Lotta“
Nr. 7, 10.2001
Das
„Collegium Humanum“ in Vlotho
Ein Veranstaltungshaus für RechtsextremistInnen
aus
Ostwestfalen, der gesamten BRD und dem europäischen
Ausland
AntifaschistInnen
aus Ostwestfalen haben nach dem Tod des „leidenschaftlichen Nationalsozialisten“
und Spiritus Rector des „Collegiums“, Werner-Georg Haverbeck, im Oktober
1999 gehofft, dass die Aktivitäten der extremen Rechten dort ein Ende finden
würde. Leider ist das Gegenteil der Fall. Sei gut zwei Jahren nutzen unterschiedliche
Gruppen der extremen Rechten dieses Haus als Veranstaltungsort. Das „Collegium“
knüpft damit an seine Bedeutung in den 80er und frühen 90er Jahre an, als
in ihm bundesweite Treffen der extremen Rechten stattfanden.
Das Spektrum
der heutigen Besucher reicht vom sogenannten „Neurechten Intellektuellen“
bis hin zum Nazi-Skinhead. Organisieren die einem im „Collegium“ geschichtsrevisionistische
Vorträge, in denen die Ideologie des Nationalsozialismus beworben wird, besuchen
die anderen Nazi-Rockmusik –Konzerte.
Die Geschichte des „Collegiums“
Das „Collegium“
wurde 1963 als Verein auf Initiative von Prof. Dr. Werner-Georg Haverbeck
gegründet. 1968 erwarb der Verein eine alte Volksschule in Vlotho an der Weser,
die zur „Heimvolkshochschule“ ausgebaut wurde. Das „Collegium“ selbst bezeichnete
sich als „Akademie für Umwelt und Lebensschutz“. In einer Selbstdarstellung
hört sich das so an: „Das „COLLEGIUM“ HUMANUM ist eine Bürgerinitiative des
freien Geisteslebens, getragen durch einen eingetragenen Verein, von Mitgliedern
unterschiedlicher Herkunft und Berufsausübung. Es ist unabhängig, parteipolitisch
neutral und überkonfessionell. Das „COLLEGIUM“ HUMANUM bemüht sich um eine
vorurteilslose Urteils- und Bewusstseinsbildung gegenüber allen gesellschaftlichen
Fragen unserer Zeit mit dem Ziel, durch die Begegnung aller Menschen eines
guten Willens der geistigen Erneuerung zu dienen.“ In einer sehr eigenwilligen
Weise ist diese Selbstdarstellung sogar korrekt. Tatsächlch trafen sich im
„Collegium“ scheinbar sehr unterschiedliche Gruppierungen. Im Vorfeld der
Gründung der Partei „Die Grünen“ trafen sich hier Zirkel, um die bevorstehende
Parteigründung zu erörtern. Fast zeitgleich fand ein Seminar statt, bei dem
der Gründer des „SS-Ahnenerbes“, Hermann Wirth, zu Gat war. Einige
Jahre später, im Oktober 1984, traf sich in den Räumen des „Collegiums“ das
„Komitee zur Vorbereitung des 100. Geburtstags Adolf Hitlers“. Entsprechend
des damaligen Images des „Collegiums“ tarnte man das Treffen ehemaliger ANS/NA-Funktionäre
um Michael Kühnen als „Seminar über Umweltfragen und Naturreligionen“.
Wie solch scheinbar
sich widersprechende Tagungen zusammenpassen, erklärt sich, wenn man weiß,
dass es innerhalb der Partei der „Grünen“ bis in die 80er Jahre einen Flügel
gab, der eindeutig zur extremen Rechten zu zählen war. Erst mit dem Auszug
des rechten Flügels und der Gründung der „Ökologisch Demokratische Partei“,
von der sich Anfang der 90er Jahre wiederum die „Unabhängigen Ökologen Deutschlands“
nach rechts abspalteten, hatten sich demokratische Kräfte in den „Grünen“
letztendlich durchgesetzt. Nicht zuletzt sei erwähnt, dass die älteste deutsche
Umweltschutzorganisation, „Der Weltbund zum Schutz des Lebens – Deutschland“
(WSL/D), personell und räumlich aufs Engste mit dem „Collegium“ verknüpft
ist. Dieser WSL/D vertritt weder alternative noch linke Positionen, vielmehr
ist die älteste deutsche Umweltschutzorganisation eindeutig Teil der extremen
Rechten.
Übervater des
„Collegiums“ und eine Erklärung für das schillernde Bild dieser Tagungsstätte
war bis zu seinem Tod Werner-Georg Haverbeck, SA-Mann der ersten Stunde, leutender
Mitorganisator der NSDAP-Massenaufmärsche und späterer NS-Propaganda-Funktionär
für Südamerika, den Hermann Wirth während des NS zum Doktortitel verhalf.
Seine zweite Karriere startete der Anthroposoph Haverbeck in der Friedens-
und Ökologiebewegung, jetzt bereits Professor für Sozialwissenschaften an
der Fachhochschule Bielefeld. AntifaschistInnen beobachteten, dass Haverbeck
seine letzten Lebensjahre seit Mitte der 90er darauf verwandt, den rechten
Nachwuchs aus der ehemaligen DDR zu schulen; ein Umstand, der die Entwicklung
seit 1999 bereits vorausahnen ließ.
Einen Abriß
dieser Entwicklung, in der das „Collegium“ zu einer wichtigen Stätte für Veranstaltungen
der regionalen, bundesweiten und sogar europäischen extremen Rechten geworden
ist, mag nachstehende Aufzählung geben.
Das „Collegium“ heute – Eine Auswahl der
Veranstaltungen der extremen Rechten im
„Collegium“:
Im wesentlichen
sind es vier Strömungen der extremen Rechten, die das „Collegium“ seit zwei
Jahren als Veranstaltungsort nutzen.
1. Völkische
„Nationalrevolutionäre“ aus der Szene um die Zeitung „wir selbst – Zeitschrift
für nationale Identität“
Am Wochenende
vom 07. bis 08.10.2000 traf sich diese Szene, die auf das Engagement von NPD-Aktivisten
zurückgeht, zu einem Liederabend im „Collegium“. Erwartet wurden bis zu 150
Besucher, deren deutsche Identität sich an völkischem Lied“gut“ erbauen konnte.
Kultur ist in dieser Szene nicht ein Mittel, mit dem Brücken zwischen den
Menschen unterschiedlicher Herkinft gebaut werden können, sondern dient ihnen
ausschließlich der Zementierung, ja teilweise erst der Errichtung dieser Unterschiede.
Sie reden vom „Ethnopluralismus“, der es gebiete, dass Menschen, die man als
verschiedenen Völkern zugehörig betrachtet, sich voneinander separieren. Wohin
die Ideologie des Ethnopluralismus führt, hat der Zerfall Jugoslawiens eindringlich
vor Augen geführt. Ehemalige Nachbarn, denen es über Jahrzehnte egal war,
dass sie angeblich so unterschiedlichen Völkern angehören, bringen sich nun
gegenseitig um.
2. Nazi-Rockmusiker
aus dem Umfeld des verbotenen „Blood & Honour“-Netzwerkes
Am 31. März
2001 fand im „Collegium“ ein weiteres Konzert statt. Blanker rassistischer
Hass stand im Mttelpunkt dieses Abends. Ihn predigten „Sleipnir“ aus Gütersloh,
dessen CD „Mein bester Kamerad“ 1998 wegen volsverhetzenden Inhalts beschlagnahmt
wurde. Anschließend tratt die schottische Band „Nemisis“ auf. Deren Lead-Singer,
Jamie Hunter, ist Herausgeber des schottischen „Blood & Honour“-Magazins
„Highlander“. Andere „Nemisis“-Mitglieder haben Kontakt zur britischen Nazi-Terrorgruppe
„Combat 18“ und sind Mitglieder der schottischen Sektion der „British National
Party“, die klar nationalsozialistisch ausgerichtet ist. Deklariert wurde
das Konzert als eine „private Feier“, die ein junger Mann aus Vlotho um den
„Hausmeister“ des „Collegiums“, Ralf Steinke handelt. Neben den Räumen
des „Collegiums“ kümmert er sich auch um die Wohnung des international bekannten
Holocaust-Leugners Udo Walendy aus Vlotho, der momentan eine Haftstrafe wegen
Leugnung des Holocausts absitzt. Die Polizei beschränkte sich am 31. März
darauf, die Anreise der Nazis zum „Collegium“ zu überwachen. Eingeschritten
wurde nicht, gleichwohl es mehr als offensichtlich war, dass dieses Konzert
zumindest im Zusammenhang mit dem „Blood & Honour“-Netzwerk stand.
3. „Neue
Rechte“ des europaweiten Netzwerkes „Synergies Europèens“
Regelmäßig
trifft sich die deutsche Sektion dieses Netzwerkes im „Collegium“. Kern dieser
sich als „Synergon Deutschland“ bezeichneten Gruppe sind junge Neofaschisten
aus dem Umfeld des Verlages „Zeitenwende“ aus Dresden und der sächsischen
Schweiz, dessen führende Personen Sven Henkler und Steffen Behnke
sind. Ihr Mentor war seit 1993 Werner-Georg Haverbeck, von ihm bekamen
sie in Vlotho die Fundamente ihrer faschistischen Ideologie vermittelt, die
darauf abzielt, ein „Reich Europa“ zu gründen, dessen Machtzentrum selbstverständlich
Deutschland sein soll. Wenn sich diese Gruppierung im „Collegium“ trifft,
treten verurteilte Auschwitzleugner, wie der Schweizer Bernhard Schaub
auf, der auf einer Tagung vom 4. bis 6. Mai 2001 unter falschem Namen über
den Mussolini-Berater und Rassisten Julius Evola referierte. Auf derselben
Tagung, die den Titel „Nonkonform – Vergessene Geistimpulse europäischer Tradition
im 20. Jahrhundert“ trug, versuchte sich ein anderer Referent, nämlich der
anthroposophisch ausgerichtete Haverbeck-Biograf Andreas Ferch, an
der Rehabilitation des NS-Ideologen Alfred Rosenberg.
Vom 15. bis
19. August 2001 fand die bislang letzte Tagung dieses Spektrums im „Collegium“
statt. Großmundig mit einer Liste von 17 internationalen Referenten der „Neuen
Rechten“ als eine europaweite „Sommerakademie – Synergies Europèens“ angekündigt,
blieb das Treffen auf einen engeren Personenkreis von ca. 40 Neofaschisten
aus Frankreich, Belgien, der Schweiz und Deutschland beschränkt. Zu sehr scheint
man in diesem Spektrum in interne Differenzen verstrickt zu sein. Setzten
die Haverbeck-Schüler um den Verlag „Zeitenwende“ auf eine krude Mischung
anthroposophischer, heidnischer und christlicher Religionsansätze als kulturelles
Fundament für ein „Reich Europa“, favorisieren die Reste des „Thule-Seminars“
aus Kassel strikt neuheidnische Ansätze. Im Gegensatz zu diesen beiden kulturell-religiösen
Ansätzen steht die Position der „Deutsch-Europäischen Studiengesellschaft“
(DESG) aus Hamburg, der dritten Säule des „neurechten“ Spektrums im „Collegium“.
Hier orientiert man sich auf die pseudowissenschaftliche Geopolitik, mit der
bereits im Nationalsozialismus die deutsche Vormachtstellung in Europa und
schließlich der ganzen Welt untermauert werden sollte.
Regelmäßiger
Gast auf den Treffen der „Neu-Rechten“ ist der Nazischläger und ehemalige
Funktionär der verbotenen „Nationalistischen Front“, Meinhard Otto Elbing
aus Bielefeld, der bei der ideologischen Schulung der ostwestfälischen militanten
Nazikader eine Schlüsselfigur ist und sich unter anderem im „Collegium“ sein
„geistiges“ Rüstzeug abholt.
4. Veranstaltungen
des braunen Umfelds Frau Ursula Haverbeck-Wetzels
Frau Haverbeck-Wetzel,
die Witwe Georg-Werner Haverbecks, äußerte einst, dass sie nicht bereit ist,
sich von Adolf Hitler zu distanzieren. Entsprechend gestalten sich die Tagungen,
zu denen sie im „Collegium“ einlädt. So fand am 23. Mai 2001 eine Tagung im
„Collegium“ statt, bei der der Referent Josef Schüßlburner, Autor in
diversen Zeitungen der extremen Rechten, der Frage nachging, wie das deutsche
„Volk wieder Herr im eigenen Haus werden kann“. Ausrichter dieser Tagung war
die „Deutsche Aufbau-Organisation“, eine rechtsextreme Sammlungsbewegung um
den ehemaligen grünen „Friedensforscher“ Alfred Mechtersheimer. Dieser
entwickelte sich schon vor einigen Jahren zur Führungsfigur der extremen Rechten.
Weiter fanden
Tagungen aus dem rechten Umfeld der sogenannten Vertriebenenverbände im „Collegium“
statt. Eine dieser Tagungen wurde am Wochenende 8. – 9. September 2001 zum
Thema „Böhmen“ durchgeführt. Es sprach ein Referent des „Witikobundes“. Wenn
man weiß, dass der „Witikobund“ eine Sammlungsbewegung ehemaliger Nationalsozialisten
aus der Tschechoslowakei ist, dürfte es nicht schwer fallen, sich den Tenor
dieser Tagung vorzustellen. Was den Personenkreis, der mit diesem Thema angesprochen
werden soll, anbelangt, ist ebenfalls Schlimmstes zu befürchten. Der Witikobund
dient zur Zeit als Auffangbecken junger „Vertriebener“ aus der „Jungen Landsmannschaft
Ostpreußen“, die auf Betreiben des bayerischen Innenministers Beckstein wegen
rechtsextremistischer Umtriebe als Jugendorganisation der „Landsmannschaft
Ostpreußen“ aus den offiziellen Vertriebenenverbänden ausgeschlossen wurde.
Nun finden sie sich im Witikobund wieder, im dem CSU-Parteikollegen Becksteins
führende Positionen bekleiden.
Es dürfte deutlich
geworden sein, wer sich im „Collegium“ die Klinke in die Hand gibt und welche
Bedeutung diese Tagungsstätte für die extreme Rechte hat. Grund genug für
AntifaschistInnen, die „Heimatvolkshochschule“ im Auge zu behalten und dem
Treiben dort möglichst schnell Einhalt zu gebieten.
Hinweis: Lotta
– antifaschistische Zeitung aus NRW: www.free.de/lotta
September
2001
„Lippische
Landes-Zeitung“, 29.09.2001
Rechte
Täter immer jünger
Staatsschützer bei Wehrkunde-Gesellschaft
Detmold. Die
Entwicklung des Rechts- und Linksextremismus in Ostwestfalen-Lippe gibt keinen
Anlass zu besonderer Beunruhigung. Dies betonte der Leiter des Staatsschutzes
beim Polizeipräsidenten Bielefeld, Kriminaloberrat Joachim Kern, während eines
Vortrages vor der Detmolder Sektion der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik.
Wie der Referent
anlässlich eines Pressegesprächs durchblicken ließ, ist seine 20-köpfige Abteilung,
zuständig unter anderem auch für den Kreis Lippe, gegenwärtig sehr stark mit
den Folgen der Terroranschläge in den USA beschäftigt. So verfolge man allein
in diesem Zusammenhang 117 Hinweise. Außerdem habe man Gespräche mit allen
48 bekannten muslimische Vereinigungen in der Region über Sicherheitsmaßnahmen
geführt. Nach Kerns Angaben wird in zwei Fällen (Bielefeld, Kreis Gütersloh)
wegen Bedrohung von muslimischen Gemeinden ermittelt.
Der Kriminaloberrat,
dessen Abteilung sich mit ausschließlich polizeilichen Mitteln um politisch
motivierte Kriminalität kümmert, rechnet damit, dass die Zahl der Straftaten
aus dem rechten Lager in 2001 etwa das Niveau des Vorjahres erreichen wird,
als in Ostwestfalen-Lippe 363 gezählt wurden. Den deutlichen Anstieg gegenüber
1999 (229) erklärte Kern mit dem Sprengstoffattentat vom 27. Juli 2000 in
Düsseldorf, das wegen des immensen öffentlichen Interesses nicht nur Resonanzstraftaten
von rechts zur Folge gehabt habe, sondern auch eine höhere Sensibilität bei
Bürgern und Strafverfolgungsbehörden.
Lediglich zehn
dieser der 2000 bekannt gewordenen und zu 40 Prozent aufgeklärten Straftaten
seien Gewaltdelikte gewesen, in den weitaus meisten Fällen habe es sich um
Propagandadelikte wie Hakenkreuzschmierereien oder Verschicken von rechtsradikalen
Parolen über SMS und Fax gehandelt. Sorgen mache dem Staatsschutz allerdings
die Tatsache, dass die Tatverdächtigen immer jünger würden.
Rapide abgenommen
hat laut Kern die Kriminalität von links. Nachdem man 1999 noch in 149 Fällen
ermittelt habe – ausgelöst unter anderem durch den Grünen-Parteitag in Bielefeld
-, sei die Zahl 2000 auf 55 und im ersten Halbjahr 2001 auf 19 geschrumpft.
„Lippische
Rundschau“, 28.09.2001
Wird
Urteil gegen Schnelle überprüft?
Detmold (itz).
Der Detmolder Ratsherr Hendrik Schnelle muss mit einer Berufungsverhandlung
rechnen. Das Detmolder Amtsgericht hatte den ehemaligen CDU-Politiker vom
Vorwurf der Volksverhetzung freigesprochen (wir berichteten). Die Staatsanwaltschaft
hat inzwischen gegen das Urteil Rechtsmittel eingelegt. Oberstaatsanwaltschaft
Diethard Höbrink will nun die Urteilsbegründung abwarten, um dann zu prüfen,
ob das Verfahren wegen Volksverhetzung vor dem Oberlandesgericht in Hamm erneut
aufgerollt werden kann. In spätestens drei Wochen, so Höbrink, müsse die Urteilsbegründung
vorliegen.
„Lippische
Landes-Zeitung“, 27.09.2001
Rechtsmittel
eingelegt
Schnelle-Prozess
Detmold (Sam).
Gegen das Urteil im Prozess gegen den Detmolder Ratsherrn Hendrik Schnelle
(25) hat die Staatsanwaltschaft Detmold Rechtsmittel eingelgt.
Oberstaatsanwalt
Diethard Höbrink bestätigte auf Anfrage, dass er sich damit alle Möglichkeiten
offen halte, gegen das Urteil vorzugehen. Wie berichtet, war Schnelle durch
das Detmolder Amtsgericht vom Vorwurf der Volksverhetzung freigesprochen worden.
Gleichwohl sah es die Kammer als erwiesen an, dass sich Schnelle 1998 in einer
Gaststätte verächtlich über Farbige geäußert und später im Herbst des gleichen
Jahres gesagt habe, Schwule müssten wie damals die Juden vergast werden. Höbrink
will zunächst die schriftliche Urteilsbegründung abwarten. Sofern die Staatsanwaltschaft
dann gegen den Richterspruch vorgeht, ist einer der möglichen Schritte die
Verhandlung vor dem Oberlandesgericht Hamm.
„Lippische
Landes-Zeitung“, 27.09.2001
Streit
um AStA-Party
Paderborner Pastorin geht in Berufung
Paderborn (igo).
Wochenlang sorgte die Aktion der Studentenpfarrerin Brigitte Gläser für Gesprächsstoff.
Die Paderborner Theologin hatte gegen eine „Schnüffelparty“ des Allgemeinen
Studenten-Ausschusses (AstA) am 9. November 2000 protestiert, indem sie die
Plakate mit dem Spruch überklebte: „Wir feiern die Reichspogromnacht.“
Brigitte Gläser
(45) hatte den AstA zwei Wochen vor der Party am 9. November, dem Tag der
Reichspogromnacht, auf die „unmögliche Termin-Wahl“ aufmerksam gemacht. Weil
die Feier dennoch stattfand, überklebte die empörte Theologin die Plakate
im Mensa-Foyer mit dem anonymen Spruch.
Die Aktion
schlug hohe Wellen: Landrat Rudolf Wansleben informierte den Staatsschutz,
der dann wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelte. Der AstA fühlte
sich beleidigt und stellte Strafantrag gegen unbekannt. Auch als klar war,
dass nicht Rechtsextremisten, sondern die politisch eher linke Pfarrerin für
die Spruchbänder verantwortlich war, zog der AstA den Antrag nicht zurück.
Im Juni verurteilte
das Amtsgericht Paderborn die 45-Jährige wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe
von 2.000 Mark. Ein „Skandal“, ein „juristischer Schildbürgerstreich“ kritisierten
Paderborner das Urteil. Die evangelische Pfarrerin ging unterdessen in Berufung:
Morgen wird der „Fall Gläser“ vor dem Landgericht Paderborn erneut aufgerollt.
Die Pfarrerin sieht ihre Aktion als Grundrecht der freien Meinungsäußerung
gedeckt – und dem Prozess gelassen und optimistisch entgegen.
„Lippische
Landes-Zeitung“, 27.09.2001
Projekt
verschoben
Sühnezeichen
Kreis Lippe
/ Detmold. Der Start des OWL-Schulprojekts der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste
musste verschoben werden. Unter der Schirmherrschaft des Detmolder Regierungspräsidenten
Andreas Wiebe kooperiert die Lippische Landeskirche mit der Aktion Sühnezeichen.
Die Lehrerfortbildungstagung, die das Projekt eröffnet, wird am Montag, 10.
Dezember, in Haus Stapelage nachgeholt.
Neben dem Geschäftsführer
Jens Pohl (Berlin) wird einer ihrer Gründer, der ehemalige KZ- Häftling Dr.
Franz von Hammerstein, als Referent der Tagung sprechen. Eine Freiwillige,
die heute in einem der Versöhnungsprojekte arbeitet, berichtet von ihrem Engagement.
Die kritische
Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und seinen Verbrechen und die
Erinnerung an Kriege und terroristische Gewalttaten seien heute aktueller
denn je, erklärt dazu Pfarrer Günter Putzberg, Schulrefrerent der Lippischen
Landeskirche. Das Schulprojekt ist für Februar / März 2002 vorgesehen. Schon
jetzt können Informationsmaterialien zum Einsatz im Unterricht in der Mediothek
der Lippischen Landeskirche entliehen werden. Nähere Informationen zu dem
Schulprojekt und Anmeldung zur Tagung unter (05231) 976854.
„Lippische
Rundschau“, 27.09.2001
Die
Angst vor der Abschiebung
Detmold (LR).
Anlässlich des bundesweiten Tages des Flüchtlings, morgen, Freitag, veranstalten
der Antifaschistische Arbeitskreis Detmold und der Verein Haus für alle eine
Diskussionsveranstaltung. Von 18 Uhr an beschäftigen sich ein Bielefelder
Rechtsanwalt sowie Ferhat Akman und Gudrun Lagemann vom Internationalen Beratungszentrum
mit dem Thema „Sicherer Aufenthalt für Flüchtlinge in Detmold“. Veranstaltungsort
ist das Gebäude Wall 13.
Nach Informationen
des Antifaschistischen Arbeitskreises lebten die in Detmold ansässigen Flüchtlinge
in der ständigen Angst vor einer Abschiebung. „Besonders Kinder und Jugendliche
leiden unter der oft unsicheren Aufenthaltssituation. Sie können an ihrem
Fluchtpunkt kaum Zukunftsperspektiven aufbauen“, heißt es von Seiten des Arbeitskreises.
Die Expertenrunde will sich mit dem Problem auseinandersetzen und die Möglichkeiten
zur Festigung des Aufenthalts erörtern. Es gehe darum, auf Ermessensspielräume
aufmerksam zu machen ohne dabei bundesweit wirksame Erlasse und Gesetze außer
Acht zu lassen.
Laut Veranstalter
hätten die Ängste oft einen ganz realen Hintergrund. „Bei einer Abschiebung
in Bürgerkriegsgebiete wie Sri Lanka oder in Länder, in denen nachvollziehbar
Minderheiten verfolgt werden, sind Verhaftungen und Repressalien von Abgeschobenen
an der Tagesordnung.“
„Lippische
Rundschau“, 27.09.2001
Schulprojekt-Start
verschoben
Kreis Lippe
(LR). Der Start des OWL-Schulprojekts der Aktion Sühnezeichen / Friedensdienste
muss verschoben werden. Die Lehrerfortbildungstagung, die das Projekt eröffnet,
wird am Montag, 10. Dezember, in Haus Stapelage stattfinden. Unter der Schirmherrschaft
des Detmolder Regierungspräsidenten Andreas Wiebe kooperiert bei der Veranstaltung
die Lippische Landeskirche mit der Aktion Sühnezeichen.
Neben dem Geschäftsführer
der Aktion Sühnezeichen, Jens Pohl, wird einer ihrer Gründer, der ehemalige
KZ-Häftling Franz von Hammerstein, als Referent der Tagung sprechen. Die Auseinandersetzung
mit Kriegen und terrioristischer Gewalttaten seien aktueller denn je, erklärt
Pfarrer Günter Putzberg, Schulreferent der Lippischen Landeskirche. „Angesichts
der Wahnsinnstaten brauchen Jugendlichen solche Orientierung wie die Aktion
Sühnzeichen.“ Das Schulprojekt ist für Februar / März 2002 vorgesehen. Informationen
unter 05231 / 976854.
„Lippische
Landes-Zeitung“, 25.09.2001
Neo-Nazis
spazieren um die Externsteine
Polizei schreitet nicht ein
Horn-Bad Meinberg
(Sam). Zu einem, wie es in rechtsextremen Kreisen heißt, „Städtewettkampf
in Form einer Waldbegehung“ kamen am Wochenende Neo-Nazis an den Externsteinen
bei Horn-Bad Meinberg zusammen.
Der Staatsschutz
Bielefeld hielt nach eigenen Angaben ein Einschreiten für nicht erforderlich.
Ein Sprecher teilte mit, dass die Aktivitäten von Beamten beobachtet worden
seien, um gegebenenfalls Straftaten oder Konfrontationen mit Spaziergängern
zu verhindern. In mehreren Gruppen zu drei bis fünf Personen hätten sich die
Rechten versammelt, um eine Art „Orientierungslauf“ zu veranstalten. Von einer
wehrsportähnlichen Übung könne aber nicht die Rede sein. Die Neo-Nazis aus
OWL, Niedersachsen und Berlin waren laut Staatsschutz nicht uniformiert und
haben weder verfassungsfeindliche Symbole gezeigt noch volksverhetzende Parolen
gegrölt. Gegen 16 Uhr war die Versammlung beendet.
Immer wieder
kommen Rechtsextremisten an den Externsteinen zusammen. Sie missbrauchen das
Naturdenkmal als „Kultstätte“ für Szene-interne Kundgebungen.
„Neue
Westfälische“, 25.09.2001
87
Hinweise auf angebliche Terroristen
Bielefelder Staatsschutz bildet Sonderkommission
Von Thomas Kopsieker
Bielefeld.
Die Jagd auf die Hintermänner der Terroranschläge in den USA hält auch die
Ermittler des Staatsschutzes der Bielefelder Polizei in Atem.
Seit bekannt
wurde, dass mehrere der Terroristen in Deutschland gelebt haben, stehen in
den unauffälligen Büros der Staatsschützer in der Bielefelder Kurt Schumacher-Straße
die Telefone nicht mehr still. „Bislang sind 87 Hinweise aus der Bevölkerung
bei uns eingegangen“, teilte gestern der Chef des Staatsschutzes, Polizeioberrat
Achim Kern, auf Anfrage mit. Diese Hinweise auf angebliche Terroristen kommen
aus dem gesamten Raum OWL. Um die damit verbundenen arbeitsintensiven Ermittlungen
bewältigen zu können, wurde jetzt im Polizeipräsidium Bielefeld eine sechsköpfige
Sonderkommission gebildet. „Wir gehen selbstverständlich jedem einzelnen Hinweis
nach und arbeiten sie jetzt nach und nach ab“, so Kern.
Eine wirklich
heiße Spur zu eventuellen Hintermännern oder Helfershelfern der Attentäter
von New York und Washington habe sich bisher aber nicht ergeben. Zusätzlich
zu der Flut an Hinweisen aus der Bevölkerung beschäftigt die Bielefelder Sonderkommission
auch noch ein Ermittlungsersuchen einer anderen Behörde. Einzelheiten hierzu
könne er „aus wohl nahe liegenden Gründen“ nicht verraten, so Kern.
„Westfalen-Blatt“,
25.09.2001
80 Hinweise aus Ostwestfalen-Lippe –
Innenminister lässt Führungspositionen unbesetzt
Polizei
stockt Staatsschutz nach Attentaten auf
Von Christian Althoff
Bielefeld /
Detmold (WB). Nach den Terror-Anschlägen von New York will der Bielefelder
Polizeipräsident Erwin Südfeld das Staatsschutz-Kommissariat noch in dieser
Woche um 20 bis 25 Prozent verstärken.
Die Aufstockung
soll zeitlich befristet sein. Sie ist notwendig, weil in den vergangenen zwei
Wochen schon mehr als 80 Hinweise aus der Bevölkerung im Zusammenhang mit
den Attentaten eingegangen sind. Landesweit sind nach Angaben des Innenministeriums
bisher 800 Verdachtsmeldungen von Bürgern erstattet worden.
Die 20 Mitarbeiter
des Bielefelder Staatsschutzkommissariates sind für die Verfolgung politisch
motivierter Straftaten in ganz Ostwestfalen-Lippe zuständig. Nachdem bekannt
geworden war, dass einige der Terrorpiloten vor den Anschlägen in Deutschland
gelebt hatten, hatten sich zahlreiche Bürger bei der Polizei gemeldet. Ein
Fahnder: „Manche glauben, einen Attentäter früher in Ostwestfalen gesehen
zu haben, andere geben Hinweise auf vermeintlich verdächtige Personen oder
Wohnungen.“ Um allen Meldungen möglichst schnell nachgehen zu können, sollen
jetzt vier oder fünf Beamte aus anderen Kommissariaten den Staatsschutz unterstützen.
Trotz der angespannten
Sicherheitslage lässt das nordrhein-westfälische Innenministerium zwei Führungspositionen
der Polizei bei der Bezirksregierung in Detmold unbesetzt – ein nach Angaben
von Polizeiexperten „beispielloser Vorgang“. Bereits vor drei Monaten war
der Leitende Polizeidirektor Wolfgang Schilling, oberster Polizist im Regierungsbezirk,
in den Ruhestand gegangen. „Seine Stelle wird bis auf weiteres nicht besetzt“,
bestätigte gestern Ulrich Rungwerth, Sprecher im Innenministerium. Noch länger
verwaist ist in Detmold die Stelle des Hauptdezernenten für Verwaltung und
Logistik der Polizei.
Eine Begründung,
warum die Stellen nicht ausgeschrieben werden, ist aus Düsseldorf nicht zu
hören. In Polizeikreisen wird vermutet, dass das Land die freien Stellen in
der Hinterhand haben möchte, falls Polizeibeamte nicht länger in Bielefeld
gehalten werden können. Wie bekannt, ermittelt die Staatsanwaltschaft Münster
gegen vier Führungskräfte des Bielefelder Polizeipräsidiums sowie den früheren
Polizeipräsidenten Horst Kruse.
Bildunterschrift:
Polizeioberrat Joachim Kern, Leiter des Staatsschutz-Kommissariats, bekommt
Unterstützung.
„Lippische
Landes-Zeitung“, 24.09.2001
Extremismus
in OWL
Detmold. Die
Sektion Detmold der „Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik“ lädt für
Donnerstag, 27. September, um 19 Uhr zu einem Vortrag in die Ressource, Allee
11, ein. Joachim Kern, Leiter der Abteilung „Polizeilicher Staatsschutz“ im
Polizeipräsidium Bielefeld, referiert zum Thema „Entwicklung des Links- und
Rechtsextremismus in Ostwestfalen-Lippe“. Angehörige und Freunde der Gesellschaft
sind herzlich eingeladen.
„Lippische
Landes-Zeitung“, 24.09.2001
Brauchtum
der Ostpreußen
Der Kreisverband
Lippe der Landsmannschaft Ostpreußen lädt für Samstag, 29. September, zur
Herbstveranstaltung ein. Die Mitglieder treffen sich um 15 Uhr im kleinen
Saal der Stadthalle Detmold. Auf der Tagesordnung steht neben Liedern und
Gedichten unter anderem ein Filmvortrag mit dem Titel „Die Ostpreußen und
ihr Brauchtum“.
„Lippische
Landes-Zeitung“, 22.09.2001
Leserbriefe
Volksverhetzung
„Bitterer Freispruch für Schnelle“, LZ vom
15.09.2001
Es ist doch
wohl so, dass Rechtsprechung dem Recht auf Leben und der Unversehrtheit des
Ansehens von Mitmenschen Geltung verschaffen soll.
Wie sollen
wir dann verstehen, dass ein Richter des Detmolder Amtsgerichts den CDU-Ratsherrn
Hendrik Schnelle von der Anklage der Volksverhetzung freispricht, nachdem
der Richter selbst als Ergebnis der Verhandlung festgestellt hat, Hendrik
Schnelle habe Sätze öffentlich geäußert wie: „Man müsse alle Schwulen vergasen
wie damals die Juden“ und „Wir als weiße Rasse sind höher gestellt und mehr
wert als die Schwarzen.“
Man glaubt,
nicht richtig gelesen zu haben: Herr Schnelle leugnet nicht den Holocaust
an den Juden, er empfiehlt ihn billigend vielmehr als „Maßnahme“ nun auch
für den Umgang mit allen Homosexuellen: „Man müsse sie vergasen wie damals
die Juden!“ Dem gegenüber wirkt sein Rassedünkel vergleichsweise harmlos.
Von den Menschenrechten und der UNO müsste er eigentlich gehört haben und
von dem Unsinn der Überlegenheit irgendeiner „Rasse“.
Als Begründung
für den Freispruch wird uns beschieden: Diese unsäglichen Äußerungen Schnelles
hätten (in einer Gaststätte) nur wenige Anwesende gehört – also läge keine
Volksverhetzung im Sinne des Gesetzes vor. Dass Worte – wo auch immer sie
in großer oder kleiner Runde ausgesprochen wurden – ein Eigenleben entwickeln,
und dass sie nicht aufzuhalten sind, sondern Kreise ziehen und fortwirkend
Folgen zeitigen, wissen wir. Wieviel mehr gilt das für Äußerungen von Politikern,
deren Worten doch von Berufs wegen schon auf Öffentlichkeitswirkung angelegt
sind. Freispruch nun für den Politiker Hendrik Schnelle. Wir sind entsetzt
und besorgt.
Gertrud und
Peter Wagner, Wittjestraße 26, Detmold
„Lippe
aktuell“, 22.09.2001
Ratsherr Schnelle nimmt am eigenen Tisch
Platz
CDU
verliert die Mehrheit der Mandate
Detmold (pas).
Nach dem Ausschluss aus der CDU-Fraktion hat Ratsherr Hendrik Schnelle an
einem eigenen Tisch Platz genommen. Damit wurde bei der jüngsten Ratssitzung
die Trennung zwischen seiner ehemaligen Fraktion und dem Jura-Studenten auch
optisch augenfällig.
Schnelle war
zwar in der vergangenen Woche vom Detmolder Amtsgericht vom Vorwurf der Volksverhetzung
freigesprochen worden, der Richter hatte es jedoch als erwiesen angesehen,
dass Schnelle sich äußerst abfällig über Homosexuelle und Ausländer geäußert
habe. Für die gesamte CDU-Fraktion war damit endgültig der Punkt erreicht,
das Tischtuch zu zerschneiden. Doch der erneuten Aufforderung, sein Amt niederzulegen,
kam er wiederum nicht nach. Und so wird er künftig als fraktionsloses Ratsmitglied
die kommunale Arbeit wohl eher passiv denn gestaltend begleiten. Für die CDU
hat der Ausschluss schmerzhafte Konsequenzen, verliert sie doch die bei den
Kommunalwahlen errungene Mehrheit der Mandate. Sie verfügt künftig ebenso
wie die SPD über 20 Sitze im Stadtparlament. Die Grünen haben vier Mandate,
die FWG hat deren drei, die FDP hat zwei Vertreter im Stadtrat.
Ratsherr Schnelle
hat inzwischen seinen Austritt aus der CDU erklärt und damit dem Stadtverband
den fälligen Rauswurf erspart. Doch auch nach dieser Entscheidung sieht er
sein Mandat als Ratsherr als sein persönliches an und lehnt einen Rücktritt
ab. Dass er dieses Mandat rein juristisch gesehen nicht abgeben muss, sieht
auch Jurist und CDU-Stadtverbandsvorsitzender Stephan Grigat. Politisch gehöre
es allerdings der Union, schließlich sei Schnelle nur über die Reserveliste
ins Stadtparlament eingezogen.
Bürgermeister
Friedrich Brakemeier (SPD) begrüßte die Entscheidung der CDU-Fraktion und
nannte sie „richtig und konsequent“. Er hoffe, dass Schnelle seine persönliche
Konsequenz gründlich überdenken werde.
Bildunterschrift:
Nahm am eigenen Tisch Platz: Ratsherr Hendrik Schnelle. >KOMMENTAR
Kommentar:
Mandat zurückgeben
Von Detlef Passeick
Was will Ratsherr
Schnelle noch im Stadtrat. Eine eigene Fraktion der Stammtischrabauken aufmachen?
Sich ein Forum verschaffen für rassistische und menschenverachtende Parolen?
Ein Politiker,
dem das Detmolder Amtsgericht beleidigende Äußerungen nachweist und ihn nur
deshalb vom Vorwurf der Volksverhetzung freispricht, weil seine menschenfeindlichen
Sätze den engen Teilnehmerkreis einer Gaststätte nicht verlassen haben, hat
in einer demokratischen Institution nichts zu suchen.
Selbst seiner
eigenen Partei, der er inzwischen nicht mehr angehört, fügt er erheblichen
Schaden zu. Die CDU-Fraktion verliert dank seines Starrsinns ihre Mehrheit
im Stadtrat, obwohl die Wählerinnen und Wähler die Partei bei der Kommunalwahl
1999 zur stärksten Fraktion gemacht haben. Und Schnelle ist ja nicht direkt
von den Menschen gewählt worden, sondern über die Liste ins Kommunalparlament
eingezogen. Darum hat CDU-Stadtverbandsvorsitzender Grigat auch recht, wenn
er meint, Schnelles Mandat gehöre politisch der Union.
Schnelle könnte
mit seinem Rückzug seine Partei davor bewahren, regelmäßig mit ihm gemeinsam
abzustimmen. Die CDU-Fraktion hat das einzig Richtige getan, und Schnelle
ausgeschlossen. Und nimmt damit in Kauf, dass sie bei knappen Mehrheiten im
Rat geschwächt wird. Sollte sie mit Unterstützung Schnelles doch die eine
oder andere Abstimmung gewinnen, so kann sie daran nichts ändern und niemand
kann ihr einen Vorwurf daraus machen.
Schnelle hat
von niemandem ein Mandat erhalten, weiterhin dem Stadtrat anzugehören. Dennoch
hat er eins. Er sollte es schleunigst zurückgeben. Sein Sitz am Katzentisch
der Politik entspricht nicht dem Willen der Wählerinnen und Wähler.
„Lippische
Landes-Zeitung“, 20.09.2001
Schnelle
gibt Parteibuch zurück
Ex-CDU-Ratsherr will Mandat behalten
Detmold (mah.).
Hendrik Schnelle hat am Dienstag seinen Austritt aus der CDU erklärt. Sein
Ratsmandat will er behalten.
„Das ist ein
persönliches Mandat. Ich werde daher nicht zurücktreten“, erklärte Schnelle
gestern. Bekannte und Freunde hätten ihm den Rücken gestärkt, ihnen gegenüber
trage er Verantwortung. „Ich bin da nur meinem Gewissen verantwortlich“, betonte
der Ratsherr, der am Montag von der CDU-Fraktion ausgeschlossen worden war.
CDU-Stadtverbandsvorsitzender
Stephan Grigat sieht die Angelegenheit anders: „Die Partei fordert Hendrik
Schnelle auf, sein Mandat zurückzugeben. Es gehört juristisch zwar ihm, politisch
jedoch der CDU.“ Schnelle hatte bei der Kommunalwahl im September 1999 seinen
Wahlkreis Marienstraße nicht direkt gewinnen können und war über die Reserveliste
in den Stadtrat eingezogen.
Grigat sagte,
Schnelle habe seinen Austritt schriftlich vor Beginn der Vorstandssitzung
mitgeteilt. „Eine Begründung nannte er nicht. Aber die ergibt sich aus dem
Zusammenhang.“ Zu einer anstehenden Diskussion über einen Parteiausschluss,
für den im übrigen der Kreisverband zuständig sei, sei es daraufhin nicht
gekommen.
Hintergrund
ist ein Beschluss des Detmolder Amtsgerichtes vom Freitag. Es hatte Hendrik
Schnelle vom Vorwurf der Volksverhetzung freigesprochen, gleichzeitig aber
verdeutlicht, dass Schnelle sich offensichtlich tatsächlich abfällig über
Schwarze und Homosexuelle geäußert hat.
„Lippische
Landes-Zeitung“, 19.09.2001
CDU-Fraktion
schließt Schnelle aus
Ratsherr lehnt Rückzug ab und bekommt einen
Extra-Tisch
Detmold (mah).
Die Detmolder CDU-Fraktion hat ihr Mitglied Hendrik Schnelle ausgeschlossen.
Die Entscheidung sei einstimmig gefallen, berichtete Fraktionsvorsitzender
Jürgen von Olberg.
Der Jura-Student
Schnelle war am Freitag vom Amtsgericht vom Vorwurf der Volksverhetzung freigesprochen
worden. Gleichwohl hatte der Richter es als erwiesen angesehen, dass Hendrik
Schnelle sich äußerst abfällig über Homosexuelle und Ausländer geäußert hat.
Die Fraktion
hat am Montag ihre Rücktrittsforderung vom Juni wiederholt. „Wir haben ausführlich
diskutiert und Hendrik Schnelle dann eindringlich aufgefordert, sein Amt niederzulegen.
Das hat er nicht getan“, erläuterte von Olberg. Seine Weigerung sei eindeutig
als fraktionsschädigend einzustufen, der Ausschluss daher laut Geschäftsordnung
zulässig.
Der 25-jährige
Schnelle wird künftig fraktionsloses Ratsmitglied sein. Er hatte bei den Kommunalwahlen
im September 1999 über die CDU-Liste den Einzug in den Rat geschafft. Bürgermeister
Friedrich Brakemeier als Vorsitzender des Rates nannte die Entscheidung der
CDU-Fraktion „richtig und konsequent“. Der Ausschluss werde bereits in der
morgigen Ratssitzung (17 Uhr, Stadthalle) dokumentiert, Hendrik Schnelle werde
einen Extra-Tisch bekommen. Brakemeier: „Ich hoffe, dass Herr Schnelle nun
die Konsequenzen zieht.“ Es gebe keinerlei Möglichkeit, einem Ratsmitglied
das Mandat zu entziehen.
Auch für die
Mehrheitsverhältnisse im Rat hat Schnelles Ausschluss Konsequenzen. Die CDU
verfügt nun ebenso wie die SPD über 20 Mandate. Hinzu kommen vier Mitglieder
der Grünen, drei der FWG, zwei der FDP sowie der nunmehr fraktionslose Hendrik
Schnelle. Die Partei wollte nach Worten des Stadtverbandsvorsitzenden Stephan
Grigat gestern über mögliche Konsequenzen beraten. Ob ein Parteiausschluss
zur Debatte stand, wollte Grigat nicht sagen: „Wir reden am Abend darüber.“
Die Meldung
von Schnelles Freispruch ist am Freitag bundesweit publiziert worden. Mit
prompter Resonanz aus Berlin: Drei deftige E-Mails sind bei der Stadt eingegangen.
Die Absender beschimpfen die Stadtverwaltung, bezeichnen Detmold mit barschen
Worten und äußerst nieveaulos als „Stadt der Rechten“ und sparen nicht an
üblen Vergleichen mit der Nazi-Zeit. „Werden in Detmold Homosexuelle vergast?
Es ist immer wieder unglaublich, was in deutschen Kleinstädten passiert. Leider
ist die Öffentlichkeit zur Zeit durch andere Ereignisse abgelenkt, um auf
solche Dinge wie in Detmold zu reagieren.“ – dies ist eine sogar vergleichsweise
sachliche E-Mail aus der Hauptstadt. „Wir werden angemessen antworten“, kündigte
Pressesprecherin Petra Schröder-Heidrich an. Sie werde den Absendern die Entscheidung
der CDU-Fraktion mitteilenund darauf hinweisen, dass ein „Stadtrat“, anders
als etwa in Berlin, gewähltes ehrenamtliches Ratsmitglied und kein Repräsentant
der Verwaltung sei.
„Lippische
Landes-Zeitung“, 18.09.2001
Neonazis
prügeln auf 20-Jährigen ein
Opfer mit Holzbrett schwer verletzt – Vier
Verdächtige gefasst
Bildunterschrift:
alte Pauline: In der Nacht zu Samstag ist nahe des Detmolder Kulturzentrums
ein 20-Jähriger von vier Männern zusammengeschlagen worden. Der Bielefelder
Staatsschutz geht davon aus, dass die Täter der Neonazi-Szene angehören.
Detmold (Sam).
Rechte Gewalt: Ein Mitglied der Kulturinitiative Detmold ist in der Nacht
zu Samstag von zwei jungen Männern nahe der „alte Pauline“ zusammengeschlagen
worden. Der Staatsschutz Bielefeld, der die Ermittlungen übernommen hat, geht
davon aus, dass es sich bei den Tätern um Neonazis handelt.
Das Opfer (20)
soll eine Gehirnerschütterung, einen Splitterbruch, eine Platzwunde und mehrere
Prellungen davon getragen haben. Als der junge Mann gemeinsam mit zwei Mädchen
(15 und 16) die 20-Jahr-Feier der Pauline verlassen habe, seien die Drei zunächst
aus einem vorbeifahrenden Auto heraus mit Nazi-Parolen wie „Juden raus“ und
„Zecken raus“ beschimpft worden, teilt die Kulturinitiative mit. Zwei der
vier Insassen seien ausgestiegen und hätten die Drei zurück in die Pauline
„gejagt“.
Als sie Minuten
später mit einem weiteren Vereinsmitglied das Haus verlassen haben, sind sie
den Angaben zufolge an der Ecke Bielefelder Straße / Hermann straße angegriffen
worden. Während die Mädchen und ihre Begleiter flüchten konnten, schlugen
die Täter so lange mit einem Holzbrett auf den 20-Jährigen ein, bis das Holz
zerbarst. Dabei wurde der am Boden liegende Mann laut Kulturinitiative von
einem Täter festgehalten, während der andere zuschlug. Herbeigeeilte Vereinsmitglieder
kümmerten sich um den bewusstlosen Mann.
Die Polizei
konnte vier Verdächtige fassen. Die 18- bis 21-jährigen Männer wohnen im Bereich
Detmold, teilte der Staatsschutz mit. Wegen ihres äußerlichen Erscheinungsbildes
seien sie dem äußerst rechten Spektrum zuzuordnen. Über einen der mutmaßlichen
Täter gebe es beim Staatsschutz bereits einen Aktenvermerk. „Zwei sind der
Polizei völlig unbekannt“, hieß es. Der Vierte sei in der Vergangenheit wegen
verschiedener Verkehrsdelikte aufgefallen.
Nach den ersten
Vernehmungen sind die Verdächtigen auf freien Fuß gesetzt worden. Dem Fahrer
des Wagens wurde wegen Alkohols am Steuer der Führerschein entzogen.
Die Kulturinitiative
Detmold betont, dass es seitens ihrer Mitglieder zu „keinerlei Provokation“
der Täter gekommen sei. Und weiter: „Übergriffe auf die alte Pauline sind
keine Seltenheit. Im Laufe des vergangenen Jahres sind von Nazis zum Beispiel
Transparente gestohlen, zerstört oder sogar angezündet worden. Stein- und
Flaschenwürfe gegen das Haus gehören mittlerweile fast schon zur Tagesordnung.“
Bildunterschrift:
Die Tatwaffe: Mit diesem Brett wurde das Opfer bewusstlos geprügelt. >WEITERER
BERICHT
„Lippische
Landes-Zeitung“, 18.09.2001
Drei
Tage und Nächte feiern
Alternatives Kulturzentrum begeht 20. Geburtstag
Detmold (ans).
Vor 20 Jahren fand die Kulturinitiative Detmold (K.I.D.) ihr festes Domizil
in der „alten Pauline“ in der Bielefelder Straße. Am Wochendende galt es drei
Tage und Nächte zu feiern.
Die bunte Fete
des offenen Kulturzentrums wurde am Freitag von einer Schlägerei überschattet
(siehe Seite 9). Noch während des Konzertes der Gruppe KlezCats am Sonntagabend
waren einige junge Leute verstört und erregt und sprachen über diesen Überfall.
Trotzdem haben
sich mehr als 150 Besucher auch am Sonntag nicht den Mut nehmen lassen, ihre
Freude über diese längst im Detmolder Sozial- und Kulturleben etablierte Einrichtung
lebhaft Ausdruck zu verleihen. Das Klezmerkonzert war der Schlusspunkt einer
dreitägigen Fete, die von Klassik über Rock, vom Kaffee bis zum Salat alles
bot, was eine Fete ausmacht.
Die Angebote
der Pauline haben sich in den vergangenen zwanzig Jahren mehrfach geändert
und sind im Kern doch immer gleich geblieben. Es ist ein offenes Haus für
mehrere Generationen, die sich hier zu den unterschiedlichsten Aktivitäten
treffen. Hier proben junge Bands aus dem Rock- und Popbereich. Hier wird getanzt,
und hier trifft man sich zu politischen Diskussionen. Hier werden Konzerte,
Kundgebungen und Veranstaltungen geplant, mit denen sich die Aktiven in die
Gesellschaft einmischen wollen.
Noch immer
treffen sich Interessierte jeden Donnerstag zu einer Hausversammlung, zu der
nach einer Flaute Anfang der 90er Jahre heute regelmäßig zirka 30 Aktive zusammen
kommen. Hier wird vom Thekendienst über das Konzertprogranmm bis zur politischen
Aktion alles besprochen, was anliegt. Im Sommer hat das ehemalige Schulgebäude
sein Gesicht total gewandelt. Die zeitweilig dunkle Atmosphäre ist einem freundlichen,
offenen Gesicht gewichen, der Eingangsflur empfängt die Gäste mit einer freigelegten
Steinmauer, die Zimmer im oberen Stockwerk sind frisch renoviert, und im Veranstaltungsraum,
der das Herz jeder freien Theatergruppe höher schlagen lässt, hängt eine Diskokugel,
wie sie zu Zeiten heftig kritisierten „Konsumterrors“ unmöglich gewesen wäre.
Im oberen Stockwerk
kann der Besucher einen Blick in die Geschichte der alten Pauline werfen.
Alles fing mit der Besetzung des ehemaligen Fabrikgebäudes in der Klingenbergstraße
an. Sogar der Topf, in dem die Besetzer gekocht haben, ist zu sehen. Daneben
bezeugen Plakate, Flugblätter und Zeitungsausschnitte die lebhafte Geschichte
der in der Kommunalpolitik lange Zeit umstrittenen Einrichtung. Auch Ausgaben
der Zeitung, die über Jahre aus diesem Haus heraus entstanden ist, können
eingesehen werden.
Bildunterschrift:
Musik zum Abschluss: Andreas Schmitges von den „KlezCats“ aus Köln gastierten
am Sonntag in der „alten Pauline“.
DGB-Jugend OWL, 17.09.2001
KOSOVO – Wurde Deutschland zum Ja für den
Krieg manipuliert?
AStA
Universität Bielefeld, DGB-Jugend-OWL, AKE Bildungswerk, Vlotho, KDA + G,
Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt und Gesellschaft, Evangelischer Kirchenkreis
Bielefeld – Sozialpfarramt
Der
Wille, im Kosovo eine humanitäre Katastrophe zu verhindern, sollte alles rechtfertigen:
-
einen Angriffskrieg der NATO ohne Mandat der UNO
-
den ersten Kampfeinsatz der Bundeswehr
-
die Verdrängung der UNO durch die NATO als „internationale
Ordnungsmacht“
-
Völkerrechtsbruch und Verfassungsbruch