Polizei- und Durchgangslager Fossoli und Bozen (2002 - 2000)
„Südtirol aktuell“, 18.02.2002
NS-Kriegsverbrechen
/ Ausweisung
Staatsbürgerschaft „wackelt“
Michael „Mischa“ Seifert vielleicht bald in Italien
Bozen. Der wegen mehrfachen Mordes im Bozner Lager zu lebenslanger Haft verurteilte Michael „Mischa“ Seifert könnte schon bald aus Kanada ausgewiesen werden. Der kanadische Einwanderungsminister hat jetzt die Aberkennung der kanadischen Staatsbürgerschaft für Seifert, die dieser 1951 erhalten hatte, gefordert. Italien hatte die Auslieferung des heute 78-Jährigen beantragt.
Seifert war in den Jahren 1944 und 1945 SS-Unteroffizier und Kommandant des Durchgangslagers in Bozen. Hier habe er während seiner Zeit als Aufseher mindestens elf Morde und mehrere Vergewaltigungen begangen, hatte Militärstaatsanwalt Giovanni Constantini bei dem Verfahren vor dem Militärgericht in Verona nachgewiesen. Das Berufungsgericht hatte im November 2001 die Verurteilung des aus der Ukraine stammenden Seifert zu lebenslanger Haft nach einem äußerst kurzen Verfahren voll bestätigt.
Der heute 78-Jährige lebt in Kanada in der Nähe von Vancouver, wohin er nach dem Krieg geflüchtet war. Kanada hatte eine Auslieferung des NS-Verbrechers nach Italien bisher abgelehnt.
Jetzt hat der kanadische Einwanderungsminister die Aberekennung der kanadischen Staatsbürgerschaft für „Mischa“ Seifert gefordert. Seifert hatte bei seiner Einbürgerung nach Kanada nach dem Zweiten Weltkrieg falsche Angaben gemacht. So habe er seinen Geburtsort aus der Ukraine nach Litauen verlegt und seine Nazi-Vergangenheit und Tätigkeit als Lageraufseher verschwiegen.
Bildunterschrift: „Mischa“ Seifert könnte bald die kanadische Staatsbürgerschaft aberkannt werden